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Schwarz gestrichene Fassaden mit weißen IS-Emblemen: Ein Straßenzug in der nordostirakischen Kleinstadt Saadiya nach der Rückeroberung durch schiitische Truppen.
Schwarz gestrichene Fassaden mit weißen IS-Emblemen: Ein Straßenzug in der nordostirakischen Kleinstadt Saadiya nach der Rückeroberung durch schiitische Truppen.(Foto: REUTERS)
Samstag, 07. Februar 2015

Terror nach außen und nach innen: IS unterdrückt eigene Kämpfer

Wenn die Berichte zutreffen, dann herrscht im "Islamischen Staat" selbst für willige Helfer ein Regime der Angst: Bei der Einreise nach Deutschland schildern Kriegsheimkehrer ihre Eindrücke. Bei den Dschihadisten muss offenbar jeder um sein Leben bangen.

Die Schilderungen zeichnen ein Bild des Terrors und der unbarmherzigen Unterdrückung: Dutzende Rückkehrer aus dem Krieg in Syrien und im Irak sollen bei Vernehmungen durch deutsche Sicherheitsbehörden über das brutale Vorgehen des IS gegenüber den eigenen Leuten berichtet haben.

Mittlerweile seien rund 200 Dschihadisten nach Deutschland zurückgekehrt, berichtet die "Süddeutschen Zeitung". Etwa jeder fünfte habe bislang mit den deutschen Behörden kooperiert und Auskunft über seine Zeit im "Islamischen Staat" (IS) gegeben.

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Viele der Heimkehrer beschrieben demnach ein Klima der Angst, des Misstrauens und der Erbarmungslosigkeit. So habe ein Rückkehrer berichtet, dass er in ein "Schlachthaus" gebracht worden sei, weil er seinen Pass nicht abgegeben habe. Die Wände und der Boden seien voller Blut gewesen. Maskierte Dschihadisten hätten ihn verhört und ihm gedroht, dass sie täglich Spione entdecken und diese schlachten würden. In seinen Schlafraum sei eine Leiche ohne Kopf geworfen worden.

Opfer auf der Täterseite?

Vermeintliche Spitzel werden, dem Bericht der Zeitung zufolge, gefoltert, erschossen oder geköpft. In den Lagern für Neuankömmlinge seien auch IS-Mitglieder aus Deutschland im Einsatz, die angereiste Kriegsfreiwillige verhören und nach Spionen suchen. Mindestens zwei dieser IS-Kontrolleure seien deutschen Sicherheitsbehörden bekannt. Es handele sich um Dschihadisten aus Mönchengladbach und aus Bonn.

Einer der Rückkehrer habe berichtet, dass ein Neuankömmling hingerichtet worden sei, nur weil er sein Handy versteckt habe. Offenbar hätten die IS-Leute Angst, die Handys könnten von amerikanischen Drohnen geortet werden. Es gebe auch Berichte von Rückkehrern, dass Dschihadisten, die ohne schriftlichen Passierschein eines Emirs versucht hätten, das Land zu verlassen, erschossen worden seien. Einige der Heimkehrer hätten über brutale Mutproben berichtet. Dazu habe gehört, dass Neuankömmlinge Menschen ermorden mussten, um zu zeigen, dass sie den Anordnungen des IS folgen wollten.

Der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans Georg Maaßen, schilderte den Fall eines jungen Deutschen, der nach Syrien ausgereist sei und den schon nach den ersten Tagen die Schreie der Folteropfer so beschäftigt hätten, dass er "unbedingt weg wollte".

Traumatisiert und desillusioniert

Dem Bericht der Zeitung zufolge kehren immer mehr Dschihadisten aus dem Krieg zurück. So seien allein nach NRW inzwischen knapp fünfzig ehemalige Kämpfer zurückgekehrt. Von verrohten, kampferprobten Dschihadisten gehe nach Angaben der Behörden aktuell die größte Gefahr aus. Etwa zehn der Rückkehrer gehörten zu dieser Gruppe. Die restlichen knapp vierzig Rückkehrer seien traumatisiert oder desillusioniert.

Der Leiter des Verfassungsschutzes in NRW, Burkhard Freier, wird in dem Bericht mit der Aussage zitiert, auch bei traumatisierten und desillusionierten Rückkehrer rechne die Behörde damit, "dass einige immer noch eine Gefahr darstellen". Seine Behörde prüfe auch die "Möglichkeiten der De-Radikalisierung". Dazu gehört nach Angaben der Zeitung, dass Mitarbeiter der Nachrichtendienste die Rückkehrer aus dem Krieg bei gemeinsamen Behördengängen begleiteten und sich um Arbeit und Wohnung der früheren IS-Leute kümmern.

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Quelle: n-tv.de