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Hassvideo: "Blonde Leichen" in Kabul Imam ruft zum Mord auf

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Eine Frau hatte den Anschlag verübt.

dpa

Bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan werden zehn Menschen getötet - Russen und Südafrikaner. Der Anschlag gilt als Vergeltungsschlag für das islamfeindliche Video. In Ägypten erlässt ein Imam eine Fatwa gegen die Filmemacher. In Deutschland läuft die Diskussion darum weiter, ob das Video öffentlich gezeigt werden darf.

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Sunnitische Geistliche im Irak rufen zum Kampf gegen die verunglimpfung des Propheten Mohammed auf.

(Foto: dpa)

In Ägypten hat ein salafistischer Imam eine Fatwa zur Tötung aller Beteiligten an dem in den USA produzierten Anti-Islam-Film erlassen. Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte, rief Ahmed Fuad Aschusch die "jungen Muslime in den USA und in Europa" in seinem religiösen Gutachten auf, die Macher und Schauspieler des Films sowie alle, die zu seiner Verbreitung beitrugen, wegen Verunglimpfung des Propheten Mohammed umzubringen.

Die Fatwa wurde SITE zufolge auf mehreren dschihadistischen Foren im Internet veröffentlicht. In dem Film "Die Unschuld der Muslime" wird der Prophet Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt. Der Islam wird als "Krebsgeschwür" bezeichnet. Der Film wurde offenbar im vergangenen Jahr von einem christlich-koptischen Ägypter aus Los Angeles zusammen mit einer rechten evangelikalen Gruppe in Kalifornien produziert.

Anschlag auf Ausländer in Kabul

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Die Opfer arbeiteten auf dem Flughafen von Kabul.

(Foto: REUTERS)

Derweil riss bei einem Selbstmordanschlag auf einen Kleinbus in Kabul der Attentäter zehn Menschen mit in den Tod. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden starben neun Russen und Südafrikaner sowie ein afghanischer Fahrer. Das Attentat ereignete sich auf einem Zubringer zum internationalen Flughafen von Kabul. Eine islamistische Rebellengruppe bekannte sich zu dem Anschlag.

Ein Sprecher sagte, eine Frau namens Fatima habe den Anschlag verübt. Die Tat sei aus Rache für den in den USA produzierten Anti-Islam-Film erfolgt. Journalisten berichteten von dem völlig verkohlten Wrack des Kleinbusses und "mehreren Leichen mit blonden Haaren". Ein Sicherheitsbeamter sagte, die Ausländer hätten am Flughafen für eine Privatfirma gearbeitet.

Deutschland debattiert über Film-Verbot

Angesichts der Unruhen in der muslimischen Welt wegen des islamfeindlichen Schmähvideos aus den USA wird in Deutschland weiter kontrovers über ein Aufführungsverbot diskutiert. Muslim-Verbände sind in der Frage uneins: Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und der Zentralrat der Muslime sind für ein Verbot, der Liberal-Islamische Bund lehnt eine solche Maßnahme ab.

Politiker fürchten Unruhen auch in Deutschland und wollen deshalb verhindern, dass der Film - wie von der rechtspopulistischen Splitterpartei Pro Deutschland geplant - öffentlich in Berlin gezeigt wird. Die Berliner Integrationssenatorin Dilek Kolat rief die Kinobetreiber der Hauptstadt zu einem Boykott des Schmähvideos auf. "Man darf gezielter Provokation keinen Raum lassen", sagte die SPD-Politikerin im RBB-Inforadio. Das Bundesinnenministerium klärt derzeit die rechtliche Handhabe.

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt wandte sich gegen ein Aufführungsverbot. "Das Video ist es nicht wert, dass wir das Recht auf freie Meinungsäußerung kaputtmachen", sagte sie der "Thüringer Allgemeinen". "Ein Verbot würde nur die, die diesen Schwachsinn zu verantworten haben, zu Opfern stilisieren." Die Bundestags-Vizepräsidentin bezeichnete das Video als "unsagbar dämlich" und "diffamierend".

Muslimische Verbände uneins

Von freier Meinungsäußerung könne keine Rede mehr sein, sagte der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya, der "taz". Das Video sei eine "tiefgreifende Beleidigung". Auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, plädierte für ein Verbot. "Wir laufen Gefahr, dass der öffentliche Frieden hier empfindlich gestört wird", sagte er in der ARD. Daher sollten alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden.

Die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, Lamya Kaddor, sprach sich gegen ein Aufführungsverbot aus. "Je mehr man über ein Verbot redet und die Tabuisierung solcher Inhalte vorantreibt, desto mehr Schaden richtet man an", warnte sie in der "taz". Diskussionen über Verbote und Sonderregelungen für Muslime würden Islamfeindlichkeit in Deutschland schüren.

Auch der Islamexperte Rauf Ceylan hält ein Aufführungsverbot des Schmähvideos in Deutschland für überzogen. "Damit würde man den Film wichtiger machen, als er ist", sagte der Religionswissenschaftler an der Universität Osnabrück der "Saarbrücker Zeitung".

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hatte am Montag dafür plädiert, eine Aufführung des Films, der den Propheten Mohammed verunglimpft, mit allen rechtlich zulässigen Mitteln zu unterbinden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger rieten dazu, ein Verbot zu prüfen. Leutheusser forderte die Gruppe Pro Deutschland in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf, das Video auf ihrer Seite nicht online zu stellen und ihre Pläne für eine öffentliche Vorführung fallen zu lassen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP/rts

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