Politik

Folter, Versklavung, Gewalt Immer mehr Todesurteile verhängt

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Weltweit werden wieder deutlich mehr Todesstrafen verhängt, so das Fazit von Amnesty International. Die Zahl der Vollstreckungen nahm dagegen ab. Im Land mit den meisten Exekutionen bleiben genaue Zahlen aber weiterhin ein Staatsgeheimnis.

Einmal im Jahr veröffentlicht Amnesty International ihre viel beachtete Statistik zur Todesstrafe. Der Jahresbericht für das vergangene Jahr fällt düster aus: Die Menschenrechtsorganisation zählte zwar weniger Hinrichtungen rund um den Globus, aber deutlich mehr Todesstrafen.

Rund um den Globus wurden dem Bericht zufolge mindestens 2466 Todesurteile verhängt. Im Jahr zuvor waren es mindestens 1925 Urteile. Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty sprach von einem "dramatischen Anstieg". Zudem zählte die Organisation 607 Exekutionen in 22 Staaten, das waren 171 weniger als im Vorjahr.

Die Menschenrechtler räumen in ihrem Bericht jedoch eine hohe Dunkelziffer ein. So fehlen beispielsweise Daten zu China, wo Angaben zu Hinrichtungen als Staatsgeheimnis behandelt werden. Im Bericht heißt es dazu nur: "China hat wieder mehr Hinrichtungen ausführen lassen als der Rest der Welt zusammen."

Riesige Dunkelziffer in China

Es sei von Tausenden Fällen auszugehen, genaue Angaben seien wegen der Geheimhaltungspolitik der kommunistischen Führung aber nicht möglich. Damit kommt das Land der Mitte auf den absoluten Extremwert.

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In welchen Ländern gibt es die Todesstrafe?

Auch im Fall des Zweitplatzierten in dem wenig rühmlichen Ranking, dem Iran, hat Amnesty Hinweise darauf, dass deutlich mehr Menschen hingerichtet wurden als in der Statistik angegeben. So verzeichnet der Bericht für den Schiitenstaat zwar 289 Exekutionen, weist aber auch daraufhin, dass mindestens 454 mehr Personen hingerichtet wurden als von den Behörden offiziell bestätigt.

Todesstrafe als Mittel gegen Terror

Auch für weitere 13 der 22 Länder, in denen Todesstrafen ausgeführt wurden, gibt Amnesty International lediglich Mindestzahlen an, für die handfeste Beweise vorliegen. Acht dieser Länder stehen dennoch in der Top Ten. Verlässliche Zahlen liegen lediglich für die USA (Platz fünf) und für Jordanien auf Platz zehn vor - mit 35 beziehungsweise 11 Hingerichteten. Dabei sind die USA das einzige Land auf dem amerikanischen Kontinent, in dem 2014 überhaupt noch Todesurteile vollstreckt wurden.

"Regierungen, die mit der Todesstrafe Verbrechen bekämpfen wollen, betrügen sich selbst", erklärt Amnesty. Es gebe "keine Belege dafür, dass die Todesstrafe mehr abschreckt als andere Strafen". Gerade angesichts der von der Dschihadistengruppe IS ausgehenden Gewalt sei es "beschämend, dass einige Staaten die Todesstrafe als Mittel gegen Terrorismus rechtfertigen".

Brutales Vorgehen gegen Zivilisten

Ein neuer, erschreckender Trend sei das Ausmaß der Gewalt, die Brutalität, mit der vor allem nicht-staatliche Gruppen im vergangenen Jahr gegen Zivilisten vorgegangen sind, sagte die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Selmin Caliskan in der ARD: "Ein absolut katastrophales Jahr für Millionen von Menschen, die in Angst vor Überfällen, vor Folter, vor Versklavung und vor sexualisierter Gewalt, vor Scharfschützen, Bomben, Artilleriebeschuss leben mussten."

Die Ukraine, der Gazastreifen, Syrien, Irak, das brutale Vorgehen von Terrormilizen, ob sie sich nun Islamischer Staat (IS) oder Boko Haram nennen. All dies habe zur größten Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg geführt. Weltweit seien rund 57 Millionen Menschen auf der Flucht.

Positiv vermerkte Amnesty, dass die Zahl der Länder, in denen die Todesstrafe vollstreckt werde, binnen 20 Jahren von 41 auf 22 gesunken sei. Die Zahlen der Todesurteile und Hinrichtungen in den USA und in Afrika gingen bereits seit Jahren zurück. Amnesty verwies auch auf ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe in Madagaskar.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa