Politik

"Helmut war ein Fels" Internationale Politiker trauern um Kohl

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Helmut Kohl beim Wahlkampfauftakt zur Europa-Wahl im Jahr 2004.

(Foto: picture alliance / Reiner Voß/dp)

Der Tod Helmut Kohls bewegt die Menschen national – und international. Viele ehemalige Kollegen erinnern sich mit viel Respekt an den "Vater der Deutschen Einheit" und an den "großen Europäer", der Brücken gen Westen und Osten baute. Ein erster Überblick.

Nicht nur Deutschland trauert um Altkanzler Helmut Kohl. Auch international ist die Anteilnahme groß. Die Nachricht löste bei Politikern und Weggefährten aus der ganzen Welt tiefe Trauer aus.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton lobte Kohls visionäre Führungskraft. Damit habe Kohl Deutschland und Europa auf das 21. Jahrhundert vorbereitet. "Er war aufgerufen, einige der monumentalsten Fragen seiner Zeit zu beantworten", heißt es in Clintons Statement. "Indem er sie richtig beantwortete, machte er die Wiedervereinigung eines starken, prosperierenden Deutschlands möglich und die Schaffung der Europäischen Union." Clinton, der von 1993 bis 2001 US-Präsident war, erinnerte sich an einen Berlin-Besuch nach der Wiedervereinigung: "Ich werde nie vergessen, wie ich mit ihm 1994 durch das Brandenburger Tor gegangen bin, zu einer Großkundgebung auf der Ostseite, als ich echte Hoffnung in den Augen Zehntausender junger Menschen gesehen habe", heißt es in der Erklärung Clintons. "Ich wusste in diesem Moment, dass Helmut Kohl der Mann war, der ihnen dabei helfen konnte, ihre Träume zu verwirklichen." Und er fügte hinzu: "Die Geschichte zeigt auch weiterhin, dass er geliefert hat."

Auch der ehemalige US-Präsident George H. W. Bush gab ein Statement zu Helmut Kohls Tod ab. Er würdigte den gestorbenen Alt-Bundeskanzler als "wahren Freund der Freiheit". "Er ist der Mann, den ich als einen der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe", so Bush senior. Kohl und Bush gelten beide als Väter der Deutschen Einheit. Es sei eine der "großen Freuden meines Lebens", gemeinsam mit Kohl an der friedvollen Beendigung des Kalten Krieges und an der deutschen Wiedervereinigung innerhalb der Nato gearbeitet zu haben. "Bei all unseren Anstrengungen war Helmut ein Fels - stark und beständig", heißt es in dem Statement Bushs.

Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow bezeichnete Kohl als herausragenden Politiker, der deutliche Spuren in der Weltgeschichte hinterlässt. "Die Deutschen haben Helmut Kohl den Spitznamen 'Kanzler der deutschen Einheit' gegeben. Das ist richtig und gerecht", erklärte Gorbatschow. In Kohls Amtszeit seien bedeutende Ereignisse gefallen wie das Ende des atomaren Wettrüstens, des Kalten Krieges, der Fall der Berliner Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Diese Ereignisse seien auch riskant gewesen, schrieb der 86-Jährige auf seiner Webseite. Gorbatschow gilt selbst als einer der Väter der deutschen Einheit. Er war Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, als die Berliner Mauer fiel. Später war er der erste und letzte Präsident der UdSSR.

Kohl sei Europa und ihm persönlich "ein echter Vertrauter und Verbündeter" gewesen, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Er hat mich persönlich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet", so Juncker. Der EU-Kommissionspräsident würdigte Kohls Engagement für Europa: "Helmut Kohl hat das europäische Haus mit Leben erfüllt - nicht nur, weil er Brücken nach Westen wie nach Osten gebaut hat, sondern auch, weil er niemals aufgehört hat, noch bessere Baupläne für die Zukunft Europas zu entwerfen", erklärte Juncker. Im Gedenken an Kohl wurden die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast gesetzt.

Als "persönlichen Freund" bezeichnete UN-Generalsekretär António Guterres den verstorbenen Kohl. "Es ist offensichtlich, welche historische Rolle Herr Kohl bei der Wiedervereinigung von Deutschland nur ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer gespielt hat und beim historischen Weg, auf den er Deutschland gebracht hat, indem er es so gut durch die Wiedervereinigung geführt hat", so Guterres.

"Helmut Kohl war die Verkörperung eines vereinten Deutschlands in einem vereinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, zeigte er sich der Situation gewachsen. Ein echter Europäer", erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte "tiefe Trauer" über den Tod des früheren Bundeskanzlers. Kohl sei "einer der größten Freunde des Staates Israel" und der Sicherheit des jüdischen Staates "vollkommen verpflichtet" gewesen, sagte Netanjahu. "Kohl war der Führungspolitiker, der Deutschland in Entschlossenheit und mit sicherer Hand vereint hat", sagte Netanjahu. "Seine Sympathie für Israel und den Zionismus ist bei vielen Treffen mit mir deutlich geworden, und in seiner entschlossenen Haltung für Israel, die er immer wieder in Europa und internationalen Foren gezeigt hat."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nennt die Altkanzler einen "sehr großen Europäer". Auf Twitter schrieb Macron: "Meister des vereinigten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer." Macrons Tweet ist mit einem Foto illustriert, das Kohl mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand Hand in Hand zeigt.

Als "prinzipiellen Verfechter freundschaftlicher Beziehungen" zwischen Berlin und Moskau bezeichnete Kremlchef Wladimir Putin den Ex-Bundeskanzler. Er fügte hinzu: "Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen." Mit dem Namen dieses herausragenden Menschen seien die wichtigsten Ereignisse der modernen deutschen Geschichte verbunden, verlautete es aus dem Kreml. Kohl habe eine Schlüsselrolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung gespielt.

Quelle: ntv.de, kpi/AFP/dpa