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Ankara hat Angst vor syrischen Kurden Iran umwirbt die Türkei

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(Foto: AP)

Der Iran kommt in der Syrienfrage aus der Deckung. Seine Diplomaten stellen sich demonstrativ an Assads Seite und versuchen, einen weiteren Partner in der Region zu gewinnen, der bislang zwischen den Stühlen sitzt: die Türkei.

Während die Unterstützung für Syrien bislang größtenteils heimlich ablief, geht der Iran nun in Sorge um die iranischen Geiseln in der Hand von Rebellengruppen offensiver vor. Nachdem der Gesandte Said Dschalili in Damaskus die Unterstützung für Syrien betont hatte, reiste der Außenminister Ali Akbar Salehi nach Ankara.

Die Iraner erhoffen sich von der Türkei, dass diese mit den Rebellen verhandelt und auf eine Freilassung der Geiseln hinwirkt. Er wolle die Türkei an ihre "Verantwortung" für das Schicksal der Geiseln erinnern, sagte Salehi.

Darüber hinaus könnte die Türkei insgesamt eine wesentlich aktivere Rolle in dem Bürgerkrieg einnehmen. Sie hat mehrfach gedroht, militärisch einzugreifen. Zwar kritisiert Ankara das Vorgehen der syrischen Regierung gegen Zivilisten scharf. Doch die Türkei droht nicht aus humanitären Gründen: In Ankara gibt es große Ängste vor der kurdischen Minderheit in Syrien. Die Türkei befürchtet, dass sich die syrischen Kurden im Zuge des Bürgerkriegs mit den türkischen Kurden zusammentun könnten, die in der Türkei für einen eigenen Staat kämpfen. Die Kurden stellen etwa zehn Prozent der syrischen Bevölkerung. Sie sind sich politisch allerdings uneins. Die Rivalität zwischen der syrischen Kurden-Partei PYD und Kurdischem Nationalrat (KNC) drohte zeitweilig in einen innerkurdischen Konflikt umzuschlagen.

Kurdische Waffenhilfe aus Syrien?

Die lange unterdrückten syrischen Kurden haben das mit dem Aufstand gegen Baschar al-Assad entstehende Machtvakuum im Nordosten Syriens genutzt, um dort Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Die türkische Regierung behauptet, die Kurden seien dabei von der Assad-Regierung unterstützt worden, um die sunnitischen Rebellen zu schwächen.

Gleichzeitig gab es in den vergangenen Wochen verstärkt Gefechte im kurdischen Südosten der Türkei. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, die Kämpfe trügen die Handschrift feindlicher Staaten. Türkische Medien berichten über syrische Waffenhilfe für die türkischen Kurden.

Iran will seine Kräfte mit der Türkei bündeln

Die PYD warnt nun die Türkei vor einem Eingreifen in den Bürgerkrieg. "Die Türkei hat nichts mit den syrischen Kurden zu tun", sagte der Chef der Partei, Mohammed Saleh Muslim. Zugleich bemühte er sich darum, türkische Ängste vor einem Zusammengehen mit der terroristischen türkischen Kurden-Organisation PKK zu zerstreuen. Für das Nachbarland gebe es keinen Grund zur Sorge, sagte Saleh Muslim. Seine Partei nehme nur ihr Recht wahr, die Menschen in ihrem Einflussbereich zu schützen.

Die Interessen der Türkei versucht der Iran nun zu nutzen, um Ankara auf seine Seite zu ziehen. Beide Länder seien die stärksten Mächte in der Region, sagte Außenminister Salehi in Ankara. Wenn sie ihre Kräfte bündelten, käme das dem Frieden und der Stabilität im Nahen Osten zugute.

Quelle: n-tv.de, che/dpa/rts/AFP

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