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Unterschiedliche Angaben zu getroffenen Zielen Israel beschießt Vorort von Damaskus

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Israel will verhindern, dass die Hisbollah in den Besitz von modernen Luftabwehrraketen gerät.

(Foto: REUTERS)

Die israelische Armee setzt ihre Angriffe auf Syrien fort. Augenzeugen berichten von mehreren heftigen Explosionen nördlich der Hauptstadt. Ziel könnte ein Forschungsinstitut des Militärs gewesen sein. Andere Quellen sprechen von einem weiteren Raketentransport.

Die israelischen Streitkräfte haben einen Ort wenige Kilometer nördlich von Damaskus bombardiert. Über das getroffene Ziel gibt es allerdings unterschiedliche Berichte. Das Staatsfernsehen berichtet davon, dass das militärisches Forschungszentrum Dschamraja attakiert worden sei. Ein westlicher Geheimdienstmitarbeiter sprach dagegen davon, dass ein Transport mit iranischen Fateh-110-Raketen zerstört worden sei. Einen Angriff auf einen Raketentransport hatte es bereits zwei Nächte zuvor gegeben.

Im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira hieß es wiederum, dass neben einer Forschungseinrichtung auch die Kasernen einer Elite-Einheit des Militärs und der Republikanischen Garde angegriffen worden seien.

Unklar ist auch noch, welche Waffen Israel einsetzte. Der Angriff sei mittels Raketen erfolgt, meldet die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Der US-Sender NBC spricht dagegen von einem Luftangriff. Die oppositionellen Syrischen Menschenrechtsbeobachter erklärten, dass Anwohner zur Zeit der Explosionen Flugzeuge gesehen hätten.

Ein Syrer, der mit Freunden auf dem Balkon gesessen hatte, wurde vom arabischen Sender Al-Arabjia mit den Worten zitiert: "Alles war ruhig und plötzlich sahen wir dies helle, orangefarbene Licht am Himmel, gefolgt von einer sehr lauten Explosion."

Obama: Israel ist im Recht

Über Verletzte oder Tote lagen zunächst keine Informationen vor. Das syrische Staatsfernsehen deutete an, dass die "israelische Aggression" vermutlich dazu dienen sollte, den Druck der Streitkräfte auf die Gegner von Präsident Baschar al-Assad zu lindern.

US-Präsident Obama hatte Israel ganz allgemein das Recht zugesprochen, Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz zu unterbinden. Er überlasse es aber der israelischen Regierung, die Berichte von US-Medien über den Luftangriff in Syrien zu kommentieren, sagte Obama  während eines Besuchs in Costa Rica.

"Was ich in der Vergangenheit gesagt habe und weiter glaube, ist, dass die Israelis berechtigterweise gegen den Transfer moderner Waffen an terroristische Organisationen wie Hisbollah vorgehen müssen", sagte der US-Präsident. Die USA arbeiteten eng mit Israel zusammen und seien sich der räumlichen Nähe des Verbündeten zum Bürgerkriegsland Syrien bewusst.

Angriff auf Waffenlieferung

Schon in der Nacht zum Freitag hatte die israelische Luftwaffe ein Ziel im benachbarten Bürgerkriegsland bombardiert. Dieser Angriff habe einer Waffenlieferung an die  libanesische Hisbollah-Miliz gegolten, hieß es aus Kreisen der israelischen sowie der US-Regierung. Die Miliz unterhält  Verbindungen zur Regierung Assads. Sowohl das Weiße Haus und das  Pentagon als auch das israelische Militär, das  Verteidigungsministerium und das Büro von Ministerpräsident  Benjamin Netanjahu hatten eine Stellungnahme zu dem Vorfall abgelehnt.

Netanjahu hatte in der Vergangenheit immer wieder klargestellt, Waffenlieferungen aus Syrien an die Hisbollah unter keinen Umständen zu dulden. Die Regierung in Jerusalem befürchtet vor allem, dass chemische Kampfstoffe in die Hände der Schiiten-Miliz fallen könnten, die - laut syrischer Opposition - auf Seiten des syrischen Präsidenten verstärkt in den syrischen Bürgerkrieg eingreift.

Erst vor wenigen Tagen hatte Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah seinen Verbündeten in der syrischen Regierung versichert, notfalls an deren Seite in den Bürgerkrieg zu ziehen.

Israel und die USA sind seit längerem wegen eines möglichen Chemiewaffeneinsatzes in Syrien besorgt und wollen sich für einen solchen Fall alle Optionen offenhalten. Die USA fassen mittlerweile auch Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen ins Auge. Den Einsatz von US-Bodentruppen lehnt Barack Obama aber ab. Er sehe derzeit nicht, dass "amerikanische Stiefel auf syrischem Boden nicht nur gut für Amerika, sondern auch gut für Syrien wären." Sollten die syrischen Streitkräfte systematisch Chemiewaffen einsetzen, würde dies jedoch alles ändern.

Quelle: n-tv.de, che/dsi/dpa/AFP

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