Politik

Nervenkrieg im Mittelmeer Israel bringt "Rachel Corrie" auf

Nach stundenlanger Verfolgung entern israelische Soldaten die "Rachel Corrie", die Hilfsgüter nach Gaza bringen wollte. Nur wenige Tage nach dem blutigen Angriff auf andere Schiffe der Gaza-Hilfsflotte bleibt der Einsatz diesmal gewaltfrei. Die USA hatten um Mäßigung ersucht.

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Die "Rachel Corrie" wird von israelischen Soldaten aufgebracht.

(Foto: dpa)

Israels Marine hat nach mehreren Warnungen ein weiteres Gaza-Solidaritätsschiff im Mittelmeer aufgebracht. Die 20 pro-palästinensischen Aktivisten ließen die Soldaten nach israelischen Angaben widerstandslos an Bord des unter irischer Flagge fahrenden Frachters "Rachel Corrie". Es habe keine Gewaltanwendung gegeben. Der Protest der Aktivisten richtete sich gegen die seit drei Jahren dauernde Blockade des Gazastreifens. Die USA forderten ein Ende dieser Blockade.

Anders als bei dem Einsatz am Montag gegen eine Hilfsflotte mit mehr als 700 Aktivisten ging der Einsatz ohne Blutvergießen oder Schüsse über die Bühne. Mit an Bord des Frachters war auch die nordirische Nobelpreisträgerin Mairead Maguire (66).

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Die israelische Marine patrouilliert vor der Küste Gazas.

(Foto: dpa)

Die israelische Marine hatte das siebte Schiff der "Gaza-Solidaritätsflotte" mehr als acht Stunden verfolgt. Die Besatzung hatte sich viermal den Aufforderungen widersetzt, ihren Kurs zu ändern und statt Gaza den israelischen Hafen Aschdod anzulaufen, um dort die Hilfsladung zu löschen.

Die Soldaten brachten die "Rachel Corrie" anschließend in den israelischen Hafen Aschdod nördlich des Gazastreifens. Nach einer Inspektion sollen die 1200 Tonnen Hilfsgüter von dort in den Gazastreifen weitergeleitet werden.

Am Montag waren bei der Erstürmung des türkischen Passagierschiffes "Mavi Marmara" durch Marinesoldaten neun Personen getötet und Dutzende verletzt worden. Diesmal setzten die Israelis keine Hubschrauber ein, sondern enterten das Hilfsschiff von See aus. Die Organisation Free Gaza protestierte gegen die Übernahme ihres Frachters in internationalen Gewässern.

USA: Regelung muss geändert werden

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An Bord des irischen Hilfsschiffs "Rachel Corrie".

(Foto: dpa)

Die USA hatten noch am Morgen den Aktivisten dringend abgeraten, es auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen und weiter Kurs auf Gaza zu halten. Das Schiff ist nach der US-Studentin Rachel Corrie benannt, die 2003 bei einem Protest gegen den Abriss von Häusern in Gaza von israelischen Armeebulldozern überrollt und getötet worden war.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Mike Hammer, machte aber auch deutlich, dass Washington mit der Blockade des von der radikalen Hamas beherrschten Gazastreifens durch Israel nicht glücklich ist. "Die derzeitige Regelung ist nicht haltbar und muss geändert werden", sagte er in Washington.

Gaza-Aufbau bleibt unmöglich

Der Frachter hatte unter anderem 560 Tonnen Zement geladen. Israel lässt bislang keinen Zement in den Gazastreifen. Als Grund gibt die Regierung in Jerusalem an, dass die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas damit ihre militärischen Strukturen neu aufbauen könnte. Zementmangel ist nach Angaben von Hilfsorganisationen eines der größten Hindernisse beim Wiederaufbau des im Gaza-Krieg 2008/2009 zerstörten Gazastreifens.

Ägypten hatte am Donnerstag seine Landgrenze zum Gazastreifen aus humanitären Gründen geöffnet. Bis Samstag passierten nach ägyptischen Angaben etwa 3500 Palästinenser den Übergang Rafah, darunter Patienten, die ärztliche Hilfe in Ägypten suchten. 250 Lastwagen brachten Hilfsgüter in den Gazastreifen.

"Helft Gaza!"-Demo in NRW

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Auf dem Burgplatz am Samstag in Duisburg.

(Foto: dpa)

In mehreren Städten Nordrhein-Westfalens haben mehr als 6000 Menschen gegen den israelischen Militäreinsatz protestiert. In der Duisburger Innenstadt versammelten sich etwa 5000 Menschen. Die Polizei sprach von einer "lautstarken, aber friedlichen" Aktion. "Palästinenser haben auch ein Existenzrecht", "Helft Gaza!" und "Israel tötet Zivilisten" stand auf ihren Transparenten.

Zu der Kundgebung hatte die Islamische Gemeinschaft Milli Görus aufgerufen. In Düsseldorf zogen etwa 1000 Demonstranten - Palästinenser und Türken - durch die Innenstadt.

Auch im australischen Sydney demonstrierten Tausende gegen die Blockade des Gazastreifens.

Quelle: ntv.de, dpa