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Zerstörte Gebäude in Beit Lahiya im Gazastreifen.
Zerstörte Gebäude in Beit Lahiya im Gazastreifen.(Foto: imago/Xinhua)
Dienstag, 05. August 2014

Längere Waffenruhe in Gaza?: Israelis setzen auf Ägypten

Ermutigende Nachricht aus dem Nahen Osten. Die vereinbarte dreitägige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas wird bislang eingehalten. Derweil wird in Kairo an einer längerfristigen Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien gebastelt.

Knapp vier Wochen nach Ausbruch des Gaza-Kriegs steigen erstmals die Chancen für eine dauerhafte Waffenruhe. Eine von der radikalislamischen Hamas und Israel vereinbarte Feuerpause für 72 Stunden wurde am Dienstag zunächst von beiden Seiten eingehalten. Zudem trafen zum ersten Mal seit Beginn der Kämpfe Vertreter des jüdischen Staates in Kairo ein, wo unter ägyptischer Vermittlung eine längerfristige Vereinbarung mit der Hamas ausgehandelt werden sollte.

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Allerdings sind die Positionen Israels und der radikalen Palästinenser bislang weithin unvereinbar. Kurz vor Beginn der Feuerpause am Dienstagmorgen zogen sich die israelischen Streitkräfte erstmals seit Beginn der Kämpfe am 8. Juli vollständig aus dem Gazastreifen zurück. Sie bezogen Stellungen jenseits der Grenze des Küstenstreifens.

Ein Armeesprecher betonte, Israel sei bereit, jederzeit militärisch zu reagieren, wenn es angegriffen werde. Unmittelbar vor Inkrafttreten der Waffenruhe feuerte die Hamas eine Raketensalve auf Israel ab. Damit sollten die "Massaker" gerächt werden, erklärte die Palästinenser-Gruppe. Die israelische Luftabwehr schoss eine Rakete über Jerusalem ab. Eine andere beschädigte ein Haus nahe Bethlehem im Westjordanland. Menschen wurden nicht verletzt. Israel hatte offenkundig mit einem Raketenangriff gerechnet, denn es sperrte den Luftraum über dem Tel Aviver Flughafen Ben Gurion eine Stunde vor Beginn der Feuerpause.

Längerfristige Vereinbarung?

Die von Ägypten vermittelte Feuerpause soll der erste Schritt hin zu einer längerfristigen Vereinbarung sein. Zwar gab es während der vier Wochen dauernden Kämpfe öfters Feuerpausen, die gar nicht oder nur kurzfristig eingehalten wurden. Nun aber gelten die Chancen für einen dauerhaften Stopp der Kämpfe als besser. Denn die Voraussetzungen haben sich geändert: Zwar erklärte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri, die israelische Offensive im Gazastreifen sei ein hundertprozentiger Fehlschlag.

Israel hat aber nach eigenen Angaben sein wichtigstes Kriegsziel erreicht und den letzten von 32 entdeckten Tunnels unter dem Grenzgebiet zerstört. Die Hamas hatte die Tunnel für Angriffe und als Waffenlager genutzt. Zudem verbinden israelische Politiker mit dem neuen Status quo die Hoffnung, der Hamas und anderen militanten Gruppierungen dauerhaft die Angriffsfähigkeit genommen zu haben. Grund dafür ist die Erwartung, dass Ägypten unter der neuen, vom Militär bestimmten Regierung eine neuerliche Aufrüstung der Hamas über die gemeinsame Grenze nicht zulassen wird.

In Kairo sollen nun die Voraussetzungen für ein dauerhaftes Ende der Kämpfe ausgelotet werden. Die Gespräche werden nicht direkt zwischen Vertretern Israels, der Hamas und des Islamischen Dschihad in einem Raum geführt. Vielmehr werden die ägyptischen Vermittler die Forderungen der einen Seite der anderen Seite überbringen. Die USA haben zugesagt, sich für einen Waffenstillstand einsetzen zu wollen.

Bislang gibt es keine Anzeichen für einen Kompromiss. Während die Hamas das Existenzrecht Israels nicht anerkennt, wertet die Regierung in Jerusalem die islamistische Gruppe als Terror-Organisation. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekräftigte, die Hamas müsse entwaffnet und der Gazastreifen entmilitarisiert werden. Dies lehnt die Hamas entschieden ab. Sie fordert ein Ende der Blockade des Gazastreifens und die Freilassung inhaftierter Mitglieder. Auch Ägypten, das an den Gazastreifen angrenzt, will die Grenze nicht öffnen.

Viele Tote und hoher ökonomischer Preis

Nach palästinensischer Zählung starben bei den Kämpfen im Gazastreifen 1834 Menschen. Rund eine halbe Million der 1,8 Millionen Einwohner seien aus ihren Häusern vertrieben worden. Das gesamte Ausmaß der Zerstörungen ist noch nicht erfasst. In manchen Orten liegen ganze Straßenzüge in Trümmern. Das wichtigste Kraftwerk ist schwer beschädigt. Auf israelischer Seite wurden nach offiziellen Angaben 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Dazu kommen die Menschen, die bei Ausschreitungen und Angriffen in Jerusalem und im Westjordanland getötet wurden.

Auch wirtschaftlich müssen beide Seiten einen hohen Preis zahlen. Nach ersten Schätzungen sind allein 4,5 Milliarden Euro nötig, um die Infrastruktur im Gazastreifen wieder herzustellen. In Israel wird mit Einnahmeausfällen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro in Tourismus und Industrie sowie Eintrübungen beim Wirtschaftswachstum gerechnet.

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Quelle: n-tv.de

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