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FDP-Chef Lindner wollte mit dem Abbruch der Sondierungen Standhaftigkeit beweisen. Vorerst fällt ihm diese Entscheidung auf die Füße.
FDP-Chef Lindner wollte mit dem Abbruch der Sondierungen Standhaftigkeit beweisen. Vorerst fällt ihm diese Entscheidung auf die Füße.(Foto: dpa)
Montag, 18. Dezember 2017

Stimmungstief nach Jamaika-Aus: Jeder dritte FDP-Wähler würde anders wählen

Jamaika war die Hoffnung vieler Deutscher. Das legen Umfrageergebnisse von Forsa nahe. Eine Mehrheit nimmt es der FDP übel, dass sie die Sondierungen platzen ließ. Viele finden, Parteien sollten sich nicht an ihre Wahlprogramme klammern.

Bei dem Tauziehen um eine Regierungsbildung behaupten die Parteien, es sei alles so kompliziert, weil der "Wählerwille" beachtet werden müsse. Die meisten Wähler glauben aber gar nicht daran, dass die Parteien sich tatsächlich nach ihren Wünschen und Vorstellungen richten. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Mediengruppe RTL.

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Nur 11 Prozent der Bundesbürger glauben, dass die AfD den Willen ihrer Wähler ernst nimmt. Von der FDP glauben das auch nur 13 Prozent der Deutschen. Zum Vergleich: 31 Prozent der Befragten billigen der CDU zu, dass sie den Wählerwillen respektiert. Über die Grünen denken das 25 Prozent, über SPD und CSU jeweils 21 Prozent, und 17 Prozent glauben das von der Linken.

Während die meisten Parteien immerhin bei der Mehrheit der eigenen Wähler Vertrauen genießen (zwischen 55 und 68 Prozent), ist das bei den Wählern von CSU und FDP nur bei einer Minderheit der Fall: Nur 48 Prozent der CSU-Wähler und 44 Prozent der FDP-Wähler fühlen sich von der jeweiligen Partei ernst genommen. Forsa-Chef Manfred Güllner erklärt dies so: "Gerade FDP und CSU wird von vielen ihrer Anhänger unterstellt, dass sie den Willen ihrer Wähler eher missachten oder missdeuten als ihn in ihrem Verhalten zu berücksichtigen."

Ehemalige FDP-Wähler tendieren nun zur Union

Das Misstrauen gegenüber der FDP zeigt sich auch in einem weiteren Ergebnis: Nur zwei Drittel der liberalen Wähler (66 Prozent) würden ihre Stimme bei einem neuen Wahlgang der FDP geben. Die Bindekraft der übrigen Parteien ist erkennbar größer: 90 Prozent der Grünen-Wähler würden heute wieder grün wählen, 89 Prozent der CDU-Wähler wieder CDU, 86 Prozent der SPD-Wähler wieder SPD, 85 Prozent der AfD-Wähler wieder AfD, 84 Prozent der Linke-Wähler wieder die Linke und 80 Prozent der CSU-Wähler abermals die CSU.

Von den FDP-Verprellten würden 43 Prozent die Union wählen, 16 Prozent die Grünen, 12 Prozent die SPD, 10 Prozent die AfD, 11 Prozent eine andere Partei und 8 Prozent würden gar nicht mehr wählen gehen.

Schuldfrage eindeutig beantwortet

Fast zwei Drittel der Bundesbürger (64 Prozent) erwarten von den Parteien, sie sollten pragmatisch nach Lösungen suchen, statt auf der Einhaltung ihrer Wahlprogramme zu beharren. Dieser Auffassung sind vor allem die Wähler der CSU (78 Prozent), der CDU (77 Prozent) und der Grünen (71 Prozent). 65 Prozent der FDP-Wähler und 63 Prozent der SPD-Wähler sind ebenfalls dieser Meinung. Nur in der Anhängerschaft der AfD gibt es eine Mehrheit von 57 Prozent, die für ein striktes Festhalten ihrer Partei am Wahlprogramm sind. Laut Güllner erwarten die Wähler "statt Dogmatismus (…) ein an den jeweiligen Problemen orientiertes Handeln".

71 Prozent der Deutschen haben kein Verständnis dafür, "dass die Bildung einer neuen Bundesregierung so lange dauert". Lediglich 23 Prozent der Bundesbürger sind der Auffassung, die Parteien sollten sich ruhig Zeit lassen. Die Hauptschuld an der Verzögerung tragen nach Auffassung der Deutschen die FDP (30 Prozent), die SPD (28 Prozent) und die CDU (24 Prozent). Wer an alldem schuld ist, darin sind sich die Befragten zu 39 Prozent einig: FDP-Chef Christian Lindner sei es gewesen. SPD-Chef Martin Schulz machen 27 Prozent verantwortlich, 24 Prozent sehen die Verantwortung bei CDU-Chefin Angela Merkel. Das Grünen-Duo Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir machen lediglich je 9 Prozent verantwortlich für die verzögerte Regierungsbildung.

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Quelle: n-tv.de