Politik

Grenzstreit auf dem Balkan KFOR räumt Barrikaden

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Ein KFOR-Soldat steht am Mittwoch noch vor den Barrikaden.

(Foto: REUTERS)

Lange war es angedroht, nun greift die NATO-Gruppe KFOR durch. Sie beginnt damit, die Barrikaden an der Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien zu räumen. Mindestens hundert gepanzerte Wagen brechen zur Grenze auf. Gegen protestierende Mitglieder der serbischen Minderheit wird Tränengas eingesetzt.

Die NATO-Truppe KFOR hat mit der Räumung von Barrikaden an der zwischen dem Kosovo und Serbien begonnen. KFOR-Soldaten riegelten die Blockaden bei den Orten Jagnjenica und Zupce westlich von Mitrovica ab, um die Straßensperren anschließend zu durchbrechen. Hunderte Serben belagerten die Barrikaden und missachteten die wiederholten Aufforderungen der Soldaten, die Straße freizugeben.

Die Soldaten setzten Tränengas ein, um die Bewacher der Straßensperren auseinanderzutreiben. Acht KFOR-Soldaten wurden durch Tränengas, Rauch und Feuerlöscher verletzt. Die KFOR teilte mit, ihre Aktion werde fortgeführt, um die freie Fahrt von Mitrovica zum Grenzübergang Brnjak zu Serbien zu gewährleisten. Die Serben wollten das "mit ihren Körpern" verhindern, kündigten die Bürgermeister der vier serbischen Gemeinden an. Unter den "Verteidigern" war auch der Staatssekretär im serbischen Kosovo-Ministerium, Oliver Ivanovic.

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KFOR-Soldaten nahe der Grenze von Brnjak.

(Foto: REUTERS)

In der Nacht war die KFOR Augenzeugenberichten zufolge mit einem großen Konvoi gegen die Barrikaden vorgerückt. Ein Konvoi von mindestens einhundert gepanzerten Fahrzeugen sei zur Grenze aufgebrochen und habe vor der ersten Sperre auf der Straße zum Grenzkontrollpunkt Brnjak gestoppt. Zuvor waren am Mittwoch Bemühungen um eine Lösung des Konflikts erneut erfolglos geblieben.

Die serbische Seite hatte angekündigt, bis zur Wochenmitte über eine Freigabe blockierter Grenzübergänge zu entscheiden. Am Dienstag war ein Ultimatum zur Aufgabe der Blockaden ausgelaufen. Dennoch räumte die NATO den Serben im bereits am Sonntag einen weiteren Tag mehr Zeit ein.

Handelsstreit zwischen Serbien und Kosovo

Der Norden des Kosovos an der Grenze zu Serbien ist seit Monaten Schauplatz von Feindseligkeiten zwischen Kosovaren und der dort lebenden serbischen Minderheit. Hintergrund der Vorfälle ist ein Handelsstreit zwischen Serbien und der einstigen südserbischen Provinz Kosovo, die sich im Februar 2008 für unabhängig erklärt hatte.

Die Serben wollen mit ihren Blockaden den Abzug der Zöllner und Polizisten der albanisch dominierten Kosovo-Regierung von den Grenzübergängen Brnjak und Jarinje erzwingen. Sie sollen wieder unter serbische Kontrolle gestellt werden. Das wird von den USA und der Mehrheit der EU-Länder abgelehnt. Stattdessen fordern sie, Serbien müsse sich aus dem Nordkosovo zurückziehen, wenn es sich weiter der EU annähern will. Belgrad hatte seine Landsleute in Nordkosovo bisher jährlich mit Hunderten Millionen Euro unterstützt.

Im Juli hatte das Kosovo als Reaktion auf ein Einfuhrverbot von serbischer Seite ein Importverbot gegen serbische Waren verhängt. Daraufhin entbrannte ein von Ausschreitungen begleiteter Streit mit der serbischen Minderheit im Nordkosovo über die Kontrolle der Grenze.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa