Politik

"Kosovo ist für Belgrad verloren" Analytiker widerspricht Politiker

In Serbien liegt die Wirtschaft am Boden, die soziale Lage der Menschen ist miserabel. Analytiker werfen den regierenden Politikern des Landes vor, die Lage nicht in den Griff zu bekommen. Zur Ablenkung würden sie stattdessen den Kampf um das Kosovo anbieten. Nur sei dieser Kampf längst verloren. Mit dem Verlust des Kosovo hätten sich bereits 70 Prozent der Serben abgefunden.

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In der ethnisch geteilten Stadt Mitrovica sind derzeit portugiesische KFOR-Soldaten stationiert.

(Foto: Reuters)

Das Kosovo ist nach Ansicht eines der bekanntesten serbischen Politikexperten, Milan Nikolic, für Belgrad verloren. Die Regierung "sollte vor die Öffentlichkeit treten und klar sagen, dass Kosovo verloren ist", sagte der Analytiker der Belgrader Zeitung "Blic". Im Gegensatz zu den Politikern dieses Balkanlandes hätten sich die Bürger in allen Umfragen mit bis zu 70 Prozent mit dem Verlust des vor dreieinhalb Jahren von Serbien abgefallenen und heute selbstständigen Kosovo abgefunden.

Für die Bürger steht nach Darstellung von Nikolic die Verbesserung ihrer sozial und wirtschaftlich miserablen Lage im großem Abstand im Vordergrund: "Den Bürgern ist klar, dass die Manipulatoren (die Politiker) nicht imstande sind, das zu garantieren und sie ihnen stattdessen den Kampf ums Kosovo anbieten". "Das Volk durchschaut die politische demokratische Elite als Gruppe von Manipulatoren und Gaunern, die versucht, es zu täuschen", sagte der Experte weiter.

Im Norden des Kosovo haben Serben seit knapp einem Monat mit den gesamten Verkehr lahmgelegt. "Die Politiker müssen aufhören, mit dem Kosovo zu manipulieren, damit sie an der Macht bleiben oder an die Macht kommen", verlangte Nikolic. Den Serben müsse weitgehende Autonomie gewährt werden. Eine gute Grundlage dafür sei der sogenannte Ahtisaari-Plan.

Der frühere finnische Präsident und Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari hatte im Auftrag der Vereinten Nationen im Jahr 2007 eine weitgehende Autonomie für die serbische Minderheit vorgeschlagen. Die Serben hatten den Plan als unzureichend abgelehnt und wie heute die Wiedereingliederung des Kosovo in den serbischen Staatsverband verlangt.

Quelle: ntv.de, dpa