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Nur einige Ruheständler können sich wirklich freuen Kabinett beschließt Rentenerhöhung

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesregierung will die Renten zum 1. Juni des Jahres erhöhen. Mit mehr Geld in der Tasche können aber nur Ruheständler aus den neuen Bundesländern rechnen. Westrentner können mit ihrem Plus kaum die Inflation ausgleichen.

Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland bekommen künftig mehr Geld. Vor allem in Ostdeutschland dürfen sich Ruheständler über einen Bonus freuen. Vom 1. Juni an erhalten die Rentner in den alten Bundesländern einen Zuschlag von 0,25 Prozent, in den neuen Bundesländern von 3,3 Prozent. Das hat das Bundeskabinett beschlossen.

In Euro ausgedrückt bedeutet die Rentenerhöhung, dass einer der 16 Millionen Ruheständler im Westen, der derzeit 800 Euro bezieht, künftig mit 802 Euro rechnen kann. Ein vergleichbarer Rentner aus Ostdeutschland kann sich auf 826,32 Euro einstellen. Bei einer Rente von 1200 Euro beträgt der Aufschlag 3 und 39,48 Euro.

Rentenniveau steigt auf 91,5 Prozent

Dass ostdeutsche Rentner nun mehr bekommen als ihrer Altersgenossen aus dem Westen bedeutet das aber noch lange nicht: Bisher erhalten Ostdeutsche 88,8 Prozent der Rente von Westdeutschen. Nach der Erhöhung liegt das sogenannte Rentenniveau bei 91,5 Prozent. Regierungssprecher Steffen Seibert nannte es "erfreulich", dass damit die Rentenangleichung "ein gutes Stück vorankommt".

Dass die zur Jahresmitte anstehende Rentenanpassung in Ost und West so unterschiedlich ausfällt, hatte Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) bereits vor vier Wochen angekündigt. Als Gründe nannte ihr Ministerium den stärkeren Anstieg der Ost-Löhne im Jahr 2011. Zudem wurde die Rentenanhebung im Westen durch einen Abschlag für eine nicht vorgenommene Rentenkürzung im Jahr 2010 geschmälert. Ein spürbares Plus für die Ruheständler im Westen zeichnet sich erst wieder im nächsten Jahr ab.

Opposition und Sozialverbände kritisieren Rentenregelung

Die Berechnung der Renten ist höchst kompliziert und selbst für Eingeweihte kaum noch nachvollziehbar: Sie folgt - anders als früher - nur noch bedingt der Lohnentwicklung und wird zudem noch nach Ost und West differenziert.

Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände forderten die Abschaffung aller Kürzungsfaktoren in der Rentenformel. Linke-Parteichef Bernd Riexinger sprach von "Manipulation" und "Betrug an den Rentnerinnen und Rentner in Ost und West", die durch die unterschiedliche Erhöhung zudem noch gegeneinander aufgebracht würden. Die errechneten Erhöhungen "mögen zwar formal korrekt sein", sie seien aber doch "ein schlagkräftiger Beweis dafür, dass die gesamte Rentenformel auf den Prüfstand muss", kritisierte die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher.

Nach Berechnung des Sozialverbands Deutschland (SoVD) haben die Renten in den alten Bundesländern seit 2004 knapp zwölf Prozent und in den neuen Bundesländern rund acht Prozent an Kaufkraft verloren. In diesem Jahr stehe den Rentenerhöhungen eine Inflationsrate von voraussichtlich 1,7 Prozent entgegen.

Für die Rentenversicherung bedeutet die Erhöhung im zweiten Halbjahr 2013 Mehrausgaben von rund 1,1 Milliarden Euro. Ab 2014 belaufen sich die Mehrausgaben auf rund 2,2 Milliarden Euro. Für die Rentenkasse ist dies leicht auszugleichen, denn sie verfügt über Rücklagen von annähernd 30 Milliarden Euro

Quelle: n-tv.de, dpa/rts