Politik
Freitag, 13. August 2010

Menschenschmuggler an Bord?: Kanadier entern Flüchtlingsschiff

Seit Wochen hatte die kanadische Küstenwache die "MV Sun Sea" schon im Auge, jetzt griff sie zu: An Bord waren fast 500 Tamilen. Die Behörden vermuten einen Fall von Menschenschmuggel.

Die Küstenwache patroulliert in Colwood, nahe Victoria.
Die Küstenwache patroulliert in Colwood, nahe Victoria.(Foto: AP)

Nach drei Monaten auf See ist ein Schiff mit hunderten tamilischen Bootsflüchtlingen vor der Küste von Vancouver von der kanadischen Küstenwache aufgebracht worden. Die Ermittler setzten die 490 Tamilen aus Sri Lanka nach Medienberichten am späten Donnerstagabend (Ortszeit) an Bord fest. Es wurde vermutet, dass die Bootsflüchtlinge in Kanada Asyl beantragen wollen. Unter ihnen sollen aber auch Menschenschmuggler und Terrorverdächtige sein.

Über die Situation an Bord war zunächst wenig bekannt. Angeblich geht die Tuberkulose unter den Flüchtlingen um. Es gab auch unbestätigte Berichte über einen Toten. Unter den Flüchtlingen sollen auch Frauen und Kinder sein.

Das Schiff war schon seit Mai unterwegs und hatte seitdem die halbe Erde umrundet. Seit vergangenem Monat beobachtete die kanadische Küstenwache den Frachter, in ihren Hoheitsgewässern griff sie dann zu. Das Schiff sollte am Freitag zu einem Marinestützpunkt auf Vancouver Island an der kanadischen Pazifikküste eskortiert werden. Dort wurden nach Medienberichten Zelte und Toilettenhäuschen aufgestellt. Nach einer Befragung durch die Einreisebehörde sollten die Tamilen in zwei nahe gelegene Gefängnisse gebracht werden.

Kanada kündigt Härte an

Die Behörden in Sri Lanka gehen davon aus, dass es auch Verbindungen zu der Rebellengruppe "Befreiungstigern" von Tamil Eelam (LTTE) gibt, die von der Armee Sri Lankas besiegt worden waren. So sei der Kapitän, der als "Vinod" bezeichnet wurde, als Schmuggler und "Tiger" bekannt. Die Tamilen haben einen jahrzehntelangen blutigen Krieg gegen die Regierung in Colombo geführt, um einen eigenen Staat in Nordosten der südasiatischen Insel durchzusetzen. Die LTTE wird von den meisten westlichen Ländern als terroristisch eingestuft.

Kanadas Minister für Öffentliche Sicherheit, Vic Toews, kündigte ein hartes Durchgreifen an. "Menschenschmuggel und Menschenhandel sind widerwärtige Verbrechen", sagte er laut "Vancouver Sun". "Wir wollen eine laute und klare Botschaft an andere Kriminelle senden: Wenn Sie so etwas machen, werden sie die ganze Strenge des Gesetzes erfahren." Das sei auch nötig, um "wahre Flüchtlinge" zu schützen.

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Quelle: n-tv.de