Politik

Trotz "Koma-Saufens" Keine Alkohol-Verbote geplant

Übermäßiger Alkoholkonsum Jugendlicher bis zur Bewusstlosigkeit hat bei Politikern Besorgnis ausgelöst. Vertreter der Bundesregierung sprachen sich allerdings am Dienstag gegen Verbote bei der Abgabe oder dem Konsum für unter 18-Jährige aus. Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) lehnte eine "Olympiade der Verbote" ab. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), ist derzeit gegen die Anhebung der Altersgrenze beim Alkoholkonsum auf 18 Jahre.

Forderungen nach Verboten bei Abgabe und Konsum waren von einzelnen Politikern erhoben worden, nachdem in Berlin ein 16-jähriger Schüler nach dem Genuss zahlreicher Tequilas ins Koma gefallen. Bei Jugendlichen wird so etwas als "Koma-Saufen" bezeichnet.

Bätzing forderte, die Regelungen zum Alkoholkonsum müssten von den Verantwortlichen im Handel und in der Gastronomie strikt eingehalten und von den Ordnungsbehörden mehr kontrolliert werden. Seehofer sagte, es gehe um den richtigen Gebrauch von Alkohol. Kinder und Jugendliche müssten aber über die Gefahren des Alkohols aufgeklärt werden.

Der FDP-Abgeordnete Detlef Parr wandte sich ebenfalls gegen Verbote. Er forderte beim so genannten Flatrate-Trinken - hier schenken Wirte für einen Pauschalpreis ihren Gästen grenzenlos Alkohol aus - ein Gegensteuern. Parr sagte der dpa: "Gastwirte müssen mehr Verantwortung übernehmen. Es kann nicht sein, dass sie die Verführer einer kleinen labilen Gruppe sind." Neuesten Studien zufolge nehme der Alkoholkonsum bei Jugendlichen ab, "aber diese Exzesse einer Minderheit, dieses Koma-Saufen, nimmt zu."

Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei) hält angesichts von exzessivem Rauschtrinken einiger Jugendlicher wenig von einem generellen Alkohol-Verkaufsverbot an unter 18-Jährige. "Ich bin da eher skeptisch", sagte die Senatorin der dpa.

Die Drogenbeauftragte der Unions-Fraktion, Maria Eichhorn (CSU), sagte der "Berliner Zeitung": "Grundsätzlich sollte jede Möglichkeit genutzt werden, die hilft, Jugendliche vor einer Alkoholabhängigkeit zu bewahren." Der Grünen-Abgeordnete Harald Terpe sagte dem Blatt: "Wenn man den Jugendschutz ernst nimmt, muss man die Abgabe von Alkohol an unter 18-Jährige unterbinden."

Ende November hatten in Brüssel einige europäische Gesundheitsminister eine EU-weite Angleichung des Mindestalters für den Kauf von Alkoholika gefordert. Die EU-Kommission hatte sich Ende Oktober für die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs ausgesprochen, auf Vorschläge für eine EU-weite Gesetzesgebung aber verzichtet.

Quelle: ntv.de