Politik
Dieses Schild hat ausgedient.
Dieses Schild hat ausgedient.(Foto: dpa)
Sonntag, 16. September 2012

Münster bleibt beim "Schlossplatz": Keine Mehrheit für Hindenburg

Die Münsteraner entscheiden sich mehrheitlich gegen den "Hindenburgplatz", der zweitgrößte innerstädtische Platz Europas heißt nun defintiv "Schlossplatz". Umbenannt wurde er schon im März. Dagegen hatte eine Bürgerinitiative mobil gemacht.

Münsters Bürger haben ihrer Stadt eine Blamage erspart: Der "Schlossplatz" bleibt "Schlossplatz" und wird nicht wieder zum "Hindenburgplatz". Ein Bürgerentscheid pro Hindenburg scheiterte.

Der "Schlossplatz" in Münster wird nicht wieder nach dem umstrittenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg benannt. Bei einem Bürgerentscheid lehnte eine Mehrheit von 59,4 Prozent die Umbenennung ab.

Für "Schlossplatz" stimmten nach Angaben der Stadt 56.717 Bürger, 38.801 Wahlberechtigte wollten die frühere Bezeichnung "Hindenburgplatz" zurück. An der Abstimmung beteiligten sich 40,3 Prozent der Wahlberechtigten.

Der Platz vor dem Schloss hieß 85 Jahre lang "Hindenburgplatz". Im März beschloss der Stadtrat die Umbenennung in "Schlossplatz". Der Weltkriegsgeneral sei ein Gegner der Weimarer Republik gewesen, hatte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe gesagt. "Deshalb verdient Hindenburg in unserer Stadt nicht mehr die Ehre eines Straßennamens", so der CDU-Politiker, der sich damit gegen die Mehrheit der CDU-Fraktion im Stadtrat stellte. Hindenburg hatte im Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt.

"Die 'Zähmung' misslang"

Gegen den Ratsbeschluss hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet und den Bürgerentscheid durchgesetzt. Der Name "Hindenburgplatz" sei ein "vertrautes Stück Münster" betonten die Gegner der Umbenennung. "Wir möchten Erinnerungskultur bewahren, statt die Geschichte einfach auszulöschen", hatten sie argumentiert. Zugleich spielten sie die Bedeutung Hindenburgs bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten herunter: Die von ihm beabsichtigte "Zähmung" Hitlers sei misslungen.

Lewe zeigte sich erleichtert über den Ausgang des Bürgerbegehrens. "Wir haben so intensiv wie keine andere Stadt in Deutschland dieses Thema bearbeitet", sagte er. "Das Wichtigste ist: Der Schlossplatz bleibt Schlossplatz."

Nach Hindenburg benannte Straßen gibt es in einer Reihe von Städten, in Nordrhein-Westfalen beispielsweise in Essen und Mönchengladbach, auch in Berlin gibt es einen "Hindenburgdamm". In Solingen war der Hindenburgplatz 2010 in Marktplatz umbenannt worden.

Quelle: n-tv.de