Politik

Die Scharfschützen vom Maidan Kiew: Janukowitsch ist schuld

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Übergangsinnenminister Arsen Awakow stellt den Untersuchungsbericht vor.

(Foto: REUTERS)

Bei der Aufarbeitung des "blutigen Dienstags" auf dem Kiewer Maidan im Februar ist die entscheidende Frage: Wer schoss fast 90 Demonstranten tot? Die neue Regierung der Ukraine stellt nun einen Bericht vor, laut dem die Schuldfrage geklärt ist.

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Ein Ukrainer trauert in Kiew um die Toten des Maidan.

(Foto: REUTERS)

Ein von der ukrainischen Übergangsregierung in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht macht die abgesetzte prorussische Staatsführung für das Blutvergießen auf dem Maidan in Kiew verantwortlich. Die tödlichen Schüsse vor sechs Wochen seien vom inzwischen entmachteten und prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch angeordnet worden, heißt es in einem Zwischenbericht. Auch Agenten des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB seien in das Blutvergießen verwickelt gewesen, sagte der Chef der ukrainischen Sicherheitsdienste, Valentin Naliwaitschenko. Der Dienst in Moskau hat das umgehend dementiert.

Die monatelangen Proteste gegen Janukowitsch in Kiew waren vom 18. bis zum 20. Februar in offene Gewalt umgeschlagen, auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum der Hauptstadt wurden fast 90 Menschen getötet. Die Regierungsgegner machten den Staatschef für die Toten verantwortlich, nach dem Blutbad wurde er gestürzt. Unabhängige Erkenntnisse zu den Tätern und ihren Motiven liegen bislang aber nicht vor.

Zweifel an der Kiewer Darstellung

Naliwaitschenko präsentierte den ersten Zwischenbericht zu den laufenden Ermittlungen zusammen mit Interims-Innenminister Arsen Awakow und Generalstaatsanwalt Oleg Machnizki. Laut Machnizkis Stellvertreter Olexi Baganez hatten Verdächtige der "Schwarzen Einheit" - einer Spezialeinheit der mittlerweile aufgelösten Bereitschaftspolizei Berkut - in Vernehmungen ausgesagt, sie hätten nur Waffen an Berkut-Mitglieder verteilt, damit sich diese gegen Angriffe von Demonstranten wehren könnten. "Aber wir glauben ihnen nicht", sagte Baganez.

Nach dem Machtwechsel in Kiew waren Zweifel an der Darstellung aufgekommen, dass allein Janukowitschs Führung das Blutbad provozierte. So äußerte Estlands Außenminister Urmas Paet in einem publik gewordenen Telefonat mit EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton den Verdacht, radikale damalige Oppositionskräfte könnten in die Todesschüsse verwickelt sein, um die Proteste weiter anzuheizen. Auch der Europarat forderte eine neutrale Aufklärung.

Berkut-Mitglieder verhaftet

Unterdessen wurden in der Ukraine zwölf Mitglieder der aufgelösten Berkut-Bereitschaftspolizei wegen des Verdachts auf Massenmord während der Proteste gegen die Regierung verhaftet. Den Polizisten wird vorgeworfen, friedliche Demonstranten erschossen zu haben, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft sagte. Es handle sich um Mitglieder der "Schwarzen Einheit". "Die Polizisten wurden für Sondereinsätze trainiert, zu denen auch die Tötung von Menschen gehört", sagte der Sprecher. "Sie wurden direkt vom Präsidialamt überwacht."

Insgesamt waren bei den Demonstrationen gegen den damaligen Präsidenten Janukowitsch in Kiew mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, viele wurden von Scharfschützen erschossen. Die Berkut-Organisation wurde Ende Februar aufgelöst.

Quelle: ntv.de, nsc/AFP

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