Politik

Moderatoren-Duell vor dem Kandidaten-Duell Kloeppel fürchtet Larifari in TV-Debatte

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Als Lego-Figuren machen Merkel und Steinbrück schon vorab eine gute Figur im TV-Duell.

(Foto: dpa)

Vor dem großen Kanzlerduell am Sonntag liefern sich Kloeppel, Illner und Co bereits den ersten Schlagabtausch. Besonders Polit-Newcomer Stefan Raab erhitzt die Gemüter und steht in der Kritik. Steinbrück wird das Duell um 20:30 Uhr eröffnen. Merkel hält das Schlussplädoyer.

Die Moderationskonstellation für das Kanzlerduell am Sonntag in Berlin Adlershof ist ungewöhnlich. Neben gestandenen Politjournalisten wie Maybrit Illner (ZDF), Anne Will (ARD) und Peter Kloeppel (RTL) sitzt in diesem Jahr mit Stefan Raab (ProSieben) ein wahrer Paradiesvogel im Quartett der Interviewer. Raab bildet ein Pärchen mit Will, Illner ein anderes mit Kloeppel. Sie alle werden die Spitzenkandidaten Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) löchern. Allerdings steht Stefan Raab in der Kritik, nicht seriös genug zu sein für eine derartige Veranstaltung.

n-tv.de schaltet am Sonntag einen Live-Ticker zum TV-Duell.

Als bekannt wurde, dass der 46-jährige gelernte Metzger aus Köln, der bislang für Unterhaltungssendungen wie "TV Total" oder "Schlag den Raab" steht, in die elitäre Riege vorstößt, traf die Entscheidung der Senderfamilie ProSiebenSat.1 auf vielfältige Kritik: "Selbst in den USA, dem Land des Unterhaltungsfernsehens, wäre niemand auf eine solche Idee gekommen", rügte Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, die Entscheidung. "Das Duell ist keine Showbühne für die Mätzchen von Moderatoren", sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey. "Nach der Sendung soll Deutschland nicht darüber diskutieren, ob Raab auch Politik kann, sondern wer die oder der Bessere im Kanzleramt ist."

Interviewer streiten schon im Vorfeld

RTL-Chefredakteur Kloeppel hätte gerne ein TV-Duell nach US-Vorbild. "In den USA ist es ja so, dass der Präsident und sein Herausforderer von einem Moderator befragt werden und viel mehr Bezug aufeinander nehmen", sagte Kloeppel dem "Handelsblatt". "Wenn ich mir irgendetwas wünsche, dann eine echte, lebhafte Debatte zwischen Kanzlerin und Herausforderer auch in unserem TV-Duell." Sogar Zuschauer im Studio sind nach seiner Ansicht in Ordnung: "Das stört den verbalen Schlagabtausch nicht, vermittelt aber eine ganz andere Stimmung. Was wir aber nicht wollen, ist ein buntes Larifari. Es muss ganz klar sein: Es geht hier um ernsthafte Politik." Dies scheint eine klare Ansage an Raab zu sein.

Auch Illner hat  das Konzept der Sendung  kritisiert. "Wenn ich Königin von Deutschland wäre, hätten wir vier Sendungen mit jeweils einem Moderator und zwei Kandidaten", sagte sie dem "Stern". Die Sendung am Sonntagabend erwecke den Eindruck, "dass wir bei den Zwei-plus-vier-Verhandlungen sind", sagte Illner. Die Livesendung wird dann von allen vier Sendeanstalten gleichzeitig übertragen. Illner rechnet mit  einer interessanten Auseinandersetzung. "Es trifft eine erfahrene Kanzlerin auf einen rhetorisch sehr gewandten Kandidaten, der nur noch wenig zu verlieren hat", sagte sie. Steinbrücks Herausforderung laute: "Wie beleidigt man eine Dame, ohne dass es schlecht ankommt?"

Steinbrück beginnt, Merkel beendet

Über Einblendungen der Zeitkonten soll am Sonntag garantiert werden, dass Merkel und Steinbrück stets in etwa gleiche Redezeiten bekommen. Der SPD-Kanzlerkandidat wird das TV-Duell ab 20:30 Uhr eröffnen. Das Los ergab, dass die Bundeskanzlerin dafür nach Steinbrück das bis zu 90 Sekunden lange Schlussstatement halten darf. Das Zeitkonto der beiden Kontrahenten darf am Ende nur um weniger als eine Minute voneinander abweichen. Als Themenblöcke wurden Aktuelles - hier dürfte Syrien eine große Rolle spielen - sowie Arbeit und Soziales, Geld, Finanzen und Sicherheit vereinbart.

Ist aus den Spitzenkandidaten wirklich noch etwas herauszuholen? "Natürlich nicht! Es ist eine Illusion zu glauben, da würden endlich die wirklich wichtigen, bohrenden oder gar unangenehmen Fragen gestellt", meint Medienwissenschaftler Bernd Gäbler. "Es werden Themenlisten abgearbeitet. Für die Kandidaten kommt es darauf an, kompakt zu antworten, freundlich zu wirken, keine Fehler zu machen, nicht aggressiv oder gar überheblich zu erscheinen. Das ist alles."

Quelle: n-tv.de, lsc/dpa/AFP

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