Politik

"Machtdemonstration des Islam" Kölner Großmoschee kommt

Der Weg für den umstrittenen Bau einer Großmoschee in Köln ist frei. Der Stadtrat stimmte mit deutlicher Mehrheit für den Bau der repräsentativen Moschee mit zwei 55 Meter hohen Minaretten und einer fast 37 Meter hohen Kuppel. Unmittelbar danach stellte die Stadtverwaltung die Baugenehmigung aus. Die türkisch-islamische Ditib als Bauherrin begrüßte die Entscheidung und kündigte an, in Kürze mit dem Bau im Stadtteil Ehrenfeld zu beginnen.

Für eine entsprechende Änderung des Bebauungsplans stimmten im Stadtrat SPD, Grüne, FDP und Linke. Dagegen votierten die CDU und die rechtsextreme Wählervereinigung Pro Köln. Kölns CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma stimmte ebenfalls für die Moschee und stellte sich damit gegen seine eigene Partei.

Raus aus Hinterhöfen

Die CDU hatte den Entwurf als zu bombastisch kritisiert. Der Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Ralph Giordano sieht in den Moscheeplänen eine "Machtdemonstration des Islam". OB Schramma, der für seinen Einsatz zugunsten der Moschee den Genc-Preis für Integration erhalten hatte, argumentierte, dass "Muslime nicht in Hinterhöfen und alten Fabrikhallen beten" sollten. Um der Kritik zu begegnen, passte der Architekt Paul Böhm seinen Entwurf an.

"Wir bauen für alle Kölner, nicht nur für die Muslime", erklärte die Ditib nach dem Beschluss des Stadtrats. Die neue Moschee solle "Symbol des furchtlosen, friedlichen und vertrauensvollen Zusammenlebens" werden und "ein Ort der Begegnungen und der Kommunikation". Die Ditib ist die größte Organisation dieser Art in Deutschland und hat ihren Hauptsitz in Köln. An der Stelle, wo die Moschee gebaut werden soll, steht schon länger ein anderes Gebetshaus, das aber nicht als solches zu erkennen ist.

Die Evangelische Kirche im Rheinland verlangte mehr Einsatz gegen die Diskriminierung von Christen in der Türkei. Die Ditib solle in der Türkei Einfluss nehmen für mehr Religionsfreiheit, forderte Präses Nikolaus Schneider im WDR. Eine Baugenehmigung in der Türkei für eine christliche Kirche sei derzeit völlig undenkbar.

Rechte wollen protestieren

Vom 19. September an wollen sich Rechtspopulisten und Rechtsextreme aus ganz Europa mehrere Tage in Köln treffen, um gegen die Moschee zu protestieren. Die Polizei rechnet mit insgesamt 40.000 Gegendemonstranten.

Der Kölner Stadtrat gab am Donnerstagabend auch grünes Licht für den Bau eines Jüdischen Museums auf dem Rathausplatz. Auch dieses Vorhaben ist umstritten, viele Kölner Bürger sind gegen eine Bebauung des zentralen Platzes.

Quelle: ntv.de

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