Politik

Freiwilliger Wehrdienst Königshaus will Migranten werben

Die Bundeswehr soll ein "Vorreiter auf dem Arbeitsmarkt sein", fordert der Wehrbeauftragte Königshaus. Deshalb müsse verstärkt um Migranten als Freiwillige geworben werden. Sein Vorschlag, auf wenige Großstandorte zu setzen, lehnt Verteidigungsminister de Maizière allerdings ab.

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Die Bundeswehr wird personell gestutzt.

(Foto: dpa)

Angesichts der bislang schwachen Resonanz auf die Werbekampagne für den freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr hat der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus eine verstärkte Werbung um Migranten ins Gespräch gebracht. Es werde "sicherlich" eine Entwicklung dahingehend geben, dass "Menschen mit Migrationshintergrund den Dienst bei der Bundeswehr durchaus als Chance für Integration und außerdem eine langfristige Beschäftigung sehen", sagte der FDP-Politiker dem Magazin "Cicero".

Die deutschen Streitkräfte könnten ein "Vorreiter auf dem Arbeitsmarkt" sein, der deutlich mache, "wie sich Potenziale in Bevölkerungsgruppen ausschöpfen lassen, an die bisher nicht oder viel zu wenig gedacht wurde", sagte Königshaus. Ebenso müsse die Bundeswehr bereit sein, künftig auch ältere Menschen in den Mannschaftsdienstgraden zu halten. Die Konkurrenz durch den zivilen Arbeitsmarkt lasse solche Schritte notwendig erscheinen.

De Maizière gegen Großstandorte

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière lehnte allerdings Königshaus' Vorschlag ab, die Bundeswehr auf wenige große Standorte zu konzentrieren. "Dann geht ebenso die Identifikation der Soldaten mit ihrem Standort verloren wie die Verbundenheit der Bürger mit ihrem Standort", sagte der CDU-Politiker der "Freien Presse". Er verwies zudem auf die hohen Kosten, die mit einer "Riesenumzugslawine" verursacht würden.

Die sächsischen Standorte stehen aber offenbar nicht zur Disposition. "Ich weiß, wo ich herkomme", sagte de Maizière, der viele Jahre als Minister in Sachsen arbeitete und sein jetziges Bundestagsmandat im Wahlkreis Meißen errang. Die Stationierungsdichte sei in Ostdeutschland deutlich geringer als im Westen. Welche Standorte der Reform geopfert werden, will der Minister erst im Herbst mitteilen.

Den Plänen de Maizières zufolge soll die Truppenstärke von derzeit 220.000 Soldaten auf 175.000 bis 185.000 Soldaten sinken. Von den 76.000 zivilen Stellen sollen nur 55.000 bleiben. Die Streitkräfte sollen künftig aus 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten bestehen. Hinzu kommen die für zwölf bis 23 Monate freiwillig Wehrdienstleistenden. Während dafür zunächst mit 15.000 Soldaten gerechnet wurde, plant de Maizière nun vorsichtiger mit 5000 Freiwilligen. Sollte die Bundeswehr aber mehr geeignete Interessenten anlocken, will der Minister auch bis zu 15.000 aufnehmen.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa

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