Politik

Klares Votum besorgt Belgrad Kosovo-Serben lehnen Staat ab

331x2414.jpg858608921245336100.jpg

Ein so klares Ergebnis ist von vielen vorher schon erwartet worden.

(Foto: dpa)

Fast 100 Prozent der Serben im Kosovo wollen lieber von Belgrad als von Pristina aus regiert werden. Das ist Ergebnis einer juristisch folgenlosen Volksabstimmung im Norden des jungen Staates. In Serbiens Hauptstadt hält sich die Freude über das Bekenntnis der 35.000 Stimmberechtigten jedoch in Grenzen.

Die Serben im Norden des Kosovo haben sich bei einer zweitägigen Volksabstimmung erwartungsgemäß klar von der Regierung in Pristina distanziert. Die Teilnehmer des Referendums erklärten mit 99,7 Prozent, dass sie die Institutionen des Kosovo nicht anerkennen, wie die Veranstalter in Kosovska Mitrovica bekanntgaben. Von den 35.000 Stimmberechtigten nahmen 75 Prozent an der Abstimmung teil, die juristisch bedeutungslos ist.

Die Abstimmung wurde kurz vor dem vierten Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo von Serbien veranstaltet. In dem kleinen Staat mit seiner Hauptstadt Pristina leben rund 120.000 Serben unter insgesamt zwei Millionen Einwohnern. Die Frage bei der Abstimmung lautete: "Erkennen Sie die Institutionen der sogenannten Republik Kosovo in Pristina an?"

EU sieht Konflikt kritisch

Die EU betrachtete die Volksabstimmung als problematisch. Weder Gewalt und Barrikaden noch ein Referendum seien die Lösung für den Konflikt zwischen den Regierungen in Belgrad und Pristina, sagte eine EU-Sprecherin in Brüssel. "Wir werden eine Lösung nur durch Konsultationen und durch Dialog erreichen."

Die EU versucht derzeit, in dem Konflikt zu vermitteln. Serbien befürchtet durch das Referendum einen Rückschlag für seine Bemühungen, EU-Beitrittskandidat zu werden. Voraussetzung dafür sind Fortschritte hin zu einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis zwischen Pristina und Belgrad.

Minderheit "führt Serbien am Nasenring vor"

Der Bürgermeister von Kosovska Mitrovica, Krstimir Pantic, sagte: "Unsere Bürger haben sich entschieden, der internationalen Gemeinschaft, den Albanern und leider auch einem Teil der Politiker in Belgrad zu zeigen, dass wir zu keinem Preis akzeptieren werden, ein Teil des sogenannten unabhängigen Kosovos zu werden".

In Serbien reagierten die Bürger kritisch auf das Referendum ihrer Landsleute. "Maximal 20.000 Leute führen ganz Serbien am Nasenring vor", schrieb ein Zuschauer an den Belgrader TV-Sender B92. Rund 1400 andere Bürger stimmten dieser Einschätzung im Internet zu. Und 1200 Menschen unterstützten die ironische Aussage: "Wahlbeteiligung 130 Prozent, Ablehnung (der Kosovoregierung) 160 Prozent".

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP