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US-Geheimdienstchef schlägt Alarm "Kreml-Hacker bedrohen Sicherheit der USA"

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US-Geheimdienstchef James Clapper griff den künftigen Präsidenten, Donald Trump, scharf an.

(Foto: REUTERS)

Im Streit um eine mutmaßliche Einflussnahme des Kremls auf die US-Wahlen geht US-Geheimdienstchef Clapper in die Offensive: Die russischen Hackerangriffe bezeichnet er als "große Gefahr" für die Sicherheit des Landes. Auch an Trump richtet er eine Botschaft.

Die US-Geheimdienste verfügen nach eigenen Angaben über "eindeutige Beweise" für die Einflussnahme Russlands auf die Präsidentschaftswahl im vergangenen November. Demnach habe Moskau der Enthüllungsplattform Wikileaks über eine dritte Partei belastendes Material über die Demokratin Hillary Clinton zugespielt, erklärten drei Offizielle nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Der Nationale Geheimdienstdirektor, James Clapper, bezeichnete Russlands "hoch entwickeltes, offensives Cyberprogramm" während einer Anhörung vor dem Verteidigungsausschuss des US-Senats zudem als "große Gefahr" sowohl für die US-Regierung als auch "die militärische, diplomatische, kommerzielle und kritische Infrastruktur" des Landes.

Bereits Monate zuvor hatten die US-Behörden erklärt, es sei davon auszugehen, dass Russland die Hackerangriffe auf E-Mailaccounts des damaligen Wahlkampfmanagers von Clinton, John Podesta, sowie des Demokratischen Nationalkomitees (DNC) gesteuert hat. Unsicher war demnach allerdings, ob der Kreml die Informationen auch gezielt an die Öffentlichkeit weitergeleitet hat. Dem Wikileaks-Gründer Julian Assange warf Clapper vor, durch die Veröffentlichung der heiklen Dokumente das Leben von US-Bürgern gefährdet zu haben. Assange hatte am Mittwoch in einem Interview mit dem TV-Sender Fox News bestritten, die Dokumente von der russischen Regierung erhalten zu haben. Er schloss allerdings nicht aus, dass sie von einer dritten Partei zugespielt worden sein könnten.

Geheimdienstchef Clapper betonte aber auch, es gebe derzeit keine Anzeichen dafür, dass Russland aktiv in den Wahlvorgang eingegriffen hat. "Sie haben nicht die Stimmabgabe manipuliert oder so etwas", sagte Clapper. Schon der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, John McCain, hatte vor der Anhörung vorsorglich erklärt, Ziel der Ermittlungen in dem Fall sei nicht, die Ergebnisse der Wahl infrage zu stellen. Es gehe ausschließlich darum, die Hintergründe der Hackerangriffe aufzuklären.

Weitere Sanktionen gegen Russland?

Der künftige US-Präsident, Donald Trump, hatte die Ergebnisse der Geheimdienstarbeit immer wieder angezweifelt und die Vorwürfe, Russland habe ihm mithilfe der Cyberattacken den Weg ins Weiße Haus geebnet, als "lächerlich" abgetan. Clapper griff den 70-Jährigen für seine Kritik scharf an. Es gebe einen "Unterschied zwischen Skepsis und Verunglimpfung", sagte der Geheimdienstchef vor den Senatoren. Die Bedrohung durch russische Hacker sei generell gewachsen.

Anfang nächster Woche wollen die US-Geheimdienste einen offiziellen Abschlussbericht über die Hackerangriffe veröffentlichen. Von Bedeutung ist dies vor allem für die Obama-Administration, die als Reaktion auf die Ermittlungsergebnisse 35 russische Diplomaten des Landes verwiesen und damit auch Kritik auf sich gezogen hatte. Der scheidende US-Präsident, Barack Obama, hatte zudem betont, "zu gegebener Zeit" weitere Maßnahmen ergreifen zu wollen. Er hat den Bericht den Angaben nach bereits erhalten.

Quelle: n-tv.de, jug/rts/dpa

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