Politik

Gewalt von Migranten Kriminologe kritisiert Merkel

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Angela Merkel wird wegen ihrer Äußerungen zur Integration von Migranten kritisiert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Angela Merkel zieht eine Verbindung zwischen Integration von Migranten und dem Kampf gegen Gewalt. Mit dieser Darstellung hat die Kanzlerin den Kriminologen Christan Pfeiffer verärgert, der die Jugendkriminalität besonders bei Zuwanderern deutlich auf dem Rückzug sieht. Die Bildung müsse im Zentrum stehen, fordert der Jurist.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat die Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Integration von Zuwanderern und Gewalt kritisiert. "Es ist politisch falsch, die Gewaltprävention beim Thema Integration so stark in den Mittelpunkt zu rücken", sagte Pfeiffer. "Nur ein kleiner Prozentsatz der Migranten ist gewalttätig." Die Jugendkriminalität sinke seit zehn Jahren, besonders deutlich bei Migranten, betonte der Jurist.

Aber jeder fünfte männliche Schüler aus einer Zuwandererfamilie verlasse die Schule ohne Abschluss. "Die Bildungsintegration muss im Vordergrund der Integrationspolitik stehen, nicht die Kriminalprävention." Pfeiffer ist Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen und war als SPD-Politiker mehrere Jahre Justizminister in dem Bundesland.

"Schulabbruchquote muss verringert werden"

Angesichts des dramatischen demografischen Wandels müsse um jeden einzelnen gekämpft werden. "Die Schulabbrecherquote muss verringert werden. Das ist das eigentliche politische Versagen unseres Systems." Dabei gebe es regional in Deutschland aber erhebliche Unterschiede, sagte Pfeiffer. So seien in Norddeutschland 54 Prozent der türkischstämmigen Jugendlichen auf dem Weg zum Abitur oder dem Realschulabschluss, im Süden aber nur 25 Prozent.

Merkel sieht in der Integration junger Migranten einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention. "Wir müssen akzeptieren, dass die Zahl der Straftaten bei jugendlichen Migranten besonders hoch ist", hatte die Kanzlerin in ihrer wöchentlichen Videobotschaft im Internet gesagt. Deshalb sei das Thema Integration eng mit der Frage der Gewaltprävention verbunden.

Leuchtendes Beispiel Hannover

"Die Kriminalitätsprävention läuft erfolgreich", betonte Pfeiffer. "Es gibt keinen Anlass, die Gewaltbereitschaft der Migranten als zentrales Problem zu benennen." Mit besseren Bildungschancen gehe die Kriminalität von alleine zurück. In Hannover sei es beispielsweise gelungen, den Anteil der Mehrfachtäter unter jungen Türken innerhalb von acht Jahren von 15 auf 7 Prozent zu verringern. Dazu hätten Projekte wie "Mentor" beigetragen, bei dem bis zu 1500 Menschen kostenlose Nachhilfe geben.

Die Kanzlerin will sich mit den Innenministern der Länder in Frankfurt treffen und mit ihnen über innere Sicherheit und Integrationspolitik sprechen. Am Dienstag beginnt in Frankfurt die Konferenz der Innenminister von Bund und Ländern.

Quelle: n-tv.de, Ira Schaible, dpa