Politik

Ein Schwuler als Bundeskanzler? Kritik an Merz-Aussage zur Homosexualität

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Friedrich Merz steht nach seinen Äußerungen zu einem schwulen Bundeskanzler in der Kritik.

(Foto: picture alliance/dpa)

In einem Interview wird Friedrich Merz nach seiner Haltung zu einem schwulen Bundeskanzler befragt. Die Antwort des CDU-Politikers sorgt für Empörung. Kritiker sind der Ansicht, der 64-Jährige rücke Homosexualität in die Nähe zur Pädophilie. Es ist nicht der erste Ausrutscher von Merz bei diesem Thema.

Die Antwort des Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz, Friedrich Merz, auf eine Frage nach seiner Haltung zu einem schwulen Bundeskanzler hat Kritik ausgelöst. Merz wurde in einem Video-Interview der "Bild-Zeitung" gefragt, ob er Vorbehalte hätte, wenn heute ein Homosexueller Bundeskanzler werden würde.

"Nein", sagte Merz. Auf die Nachfrage, ob das für ihn völlig normal wäre, fügte er hinzu: "Über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft - an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht - ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion."

SPD-Vize Kevin Kühnert, der sich in der Vergangenheit über seine eigene Homosexualität geäußert hatte, twitterte: "So laviert jemand, der nicht kaschieren kann, dass er mit der Normalisierung des Umgangs mit Homosexualität eigentlich nichts anfangen kann." SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kommentierte: "Friedrich möchte aus dem letzten Jahrhundert abgeholt werden." Später sagte er im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung: "Da ist eine deutliche Entschuldigung fällig."

"Solange der Wowereit sich mir nicht nähert, ist mir das egal"

CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn, der mit einem Mann verheiratet ist, sagte auf die Frage eines Journalisten, was eine solche Aussage eines Parteikollegen bei ihm auslöse: "Naja, wenn die erste Assoziation bei Homosexualität Gesetzesfragen oder Pädophilie ist, dann müssen Sie eher Fragen an Friedrich Merz richten, würde ich sagen."

Merz' Sprecher Armin Peter sprang dem 64-Jährigen zur Seite. Er trat einem Twitter-Kommentar entgegen, der in den Äußerungen eine Gleichsetzung von schwul und pädophil sah. "Diese Behauptung ist bösartig und schlicht falsch", schrieb Peter auf Twitter. "Friedrich Merz hat gesagt: 'Die sexuelle Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an, solange sie sich im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft'. Das gilt also für Heteros, Homos und alle anderen."

Merz selbst sagte der "Welt": "Das ist ein bösartig konstruierter Zusammenhang, der in keiner meiner Äußerungen vorkommt. Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit."

Bereits in der Vergangenheit hatte eine ähnliche Äußerung von Merz für Unmut gesorgt. Angesprochen auf das Coming-out des SPD-Politikers Klaus Wowereit im Wahlkampf für das Berliner Bürgermeisteramt 2001 sagte Merz in einem Interview. "Solange der Wowereit sich mir nicht nähert, ist mir das egal." Auf einem Bezirksparteitag der CDU in Bad Bellingen sagte Merz im selben Jahr: "Herr Wowereit betreibt sein Outing mit zu großer Aggressivität." Dies schade dem im Grundgesetz verankerten Familienbild. Im vergangenen Juli distanzierte sich Merz von seiner Interview-Aussage über Wowereit. "Das war damals eine humorvoll gemeinte Bemerkung, die ich heute nicht mehr machen würde", sagte er dem Magazin "Focus".

Quelle: ntv.de, jpe/dpa