Politik
Rom erwartet eine Million Besucher zur Seligsprechung Wojtylas.
Rom erwartet eine Million Besucher zur Seligsprechung Wojtylas.(Foto: AP)
Freitag, 29. April 2011

"Benedikt XVI. regiert wie ein Fürst": Küng kritisiert Seligsprechung

So schnell wie Johannes Paul II. ist in der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche noch niemand seliggesprochen worden: An diesem Sonntag erhebt Benedikt XVI. seinen Vorgänger feierlich in diesen Stand. Das ruft auch Kritiker auf den Plan. Nach Ansicht des Theologen Küng war Johannes Paul II. "intolerant und unwillig zum Dialog".

Sechs Jahre nach seinem Tod wird Papst Johannes Paul II. an diesem Sonntag seliggesprochen. Noch nie in der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche wurde jemandem diese Ehre in so kurzer Zeit zuteil. Die feierliche Zeremonie auf dem Petersplatz in Rom übernimmt der Nachfolger des polnischen Papstes, Benedikt XVI.. Damit schreibt erstmals ein Papst seinen direkten Vorgänger in das Buch der Seligen ein. Das Großereignis ist für die Ewige Stadt eine organisatorische Herausforderung, bis zu einer Million Pilger werden erwartet. Sie müssen sich auf massive Sicherheitsvorkehrungen einstellen.

Johannes Paul II. (1920-2005)
Johannes Paul II. (1920-2005)

Der Tübinger Theologe Hans Küng kritisierte die Seligsprechung. Nach Ansicht Küngs taugt der frühere Papst nicht zum Vorbild für katholische Gläubige. Johannes Paul habe "ein autoritäres Lehramt ausgeübt, er hat die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt", sagte der Kirchenkritiker der "Frankfurter Rundschau". Diese dunklen Seiten seien im Seligsprechungsprozess unberücksichtigt geblieben. Johannes Paul II. sei "intolerant und unwillig zum Dialog" gewesen.

Der Theologe äußerte scharfe Kritik am Vorgehen von Papst Benedikt XVI., der die Seligsprechung in Rekordzeit vorangetrieben hatte: "Der Nachfolger spricht den Vorgänger selig? Da geht es doch in Rom zu wie zu den Zeiten der Cäsaren, die den jeweils vorangegangenen Kaiser zum Gott erhoben." Wie ein absolutistischer Fürst habe Benedikt XVI. das eigene Kirchenrecht gebrochen, um Johannes Paul im Hauruckverfahren seligsprechen zu können.

"Rom vertuschte Kinderschändung systematisch"

Eine Ausstellung über den beliebten Papst aus Polen auf dem Petersplatz in Rom.
Eine Ausstellung über den beliebten Papst aus Polen auf dem Petersplatz in Rom.(Foto: AP)

Küng schrieb Johannes Paul II. und seinem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, dem jetzigen Papst, auch eine systematische Vertuschung des Skandals um tausendfachen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester zu. Persönlich habe Johannes Paul II. mit dem Ordensgründer Marcial Maciel Degollado einen "notorischen Kinderschänder" geschützt. Bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche habe der frühere Papst "komplett versagt": "Das ganze Ausmaß dieser scheußlichen Verbrechen wurde von ihm gemeinsam mit Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation systematisch vertuscht".

"Santo subito" wollte Benedikt nicht

Im Januar hatte der Vatikan den Weg für die Seligsprechung freigemacht, als er die angebliche Wunderheilung einer französischen Nonne anerkannte, an der Johannes Paul II. (1920-2005) beteiligt gewesen sein soll. Die Ordensschwester Marie Simon-Pierre soll über Nacht von der Parkinson-Krankheit geheilt gewesen sein, nachdem sie den Papst kurz nach seinem Tod in Gebeten um Hilfe angefleht hatte.

Die Seligsprechung ist wichtige Voraussetzung für eine spätere Heiligsprechung. Zahlreiche Gläubige und einige Kardinäle hatten schon 2005 bei der Beerdigung des populären Karol Wojtyla gefordert: "Santo subito" (heilig sofort). Doch das wollte Benedikt nicht.

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Quelle: n-tv.de