Politik

Konsequenzen aus Schulranking Länder wollen gegensteuern

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Bayern sind besser. Woran liegt's?

(Foto: dpa)

Die neue Schulstudie bestätigt: In Bayern lesen, rechnen und verstehen die Grundschüler am besten. Generell sind Viertklässler im Süden fitter als im Norden. Während die Lehrer der Meinung sind, die wichtigsten Fragen seien gar nicht gestellt worden, blasen die Kultusminister schon zum Angriff gegen das Bildungsgefälle.

Die Kultusminister sehen angesichts des jüngsten Grundschüler-Rankings Handlungsbedarf. "Die Ergebnisse sind insgesamt erfreulich, dennoch bleibt viel zu tun", sagte der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Hamburgs Schulsenator Ties Rabe von der SPD. Insgesamt belegten die Resultate einen hohen Leistungsstand der Grundschüler, es gebe aber auch Defizite. "Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien müssen besser gefördert werden", mahnte Rabe.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kurz GEW, stellte dagegen die Vergleichsstudie in Frage. "Es sind immer die gleichen Länder an der Spitze und die gleichen am Ende", sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer. "Warum das so ist, ist auch zehn Jahre nach der ersten Pisa-Studie ein Buch mit sieben Siegeln. Und wie es zu ändern wäre, ist gänzlich unerforscht."

Im Süden ist alles besser

Die GEW-Vize-Vorsitzende forderte "neue Akzente in der Bildungsforschung". Sinnvoller sei es, nicht komplette Bundesländer, sondern wirtschaftlich und soziokulturell ähnliche Regionen miteinander zu vergleichen. Der Umbau zu einem inklusiven Schulsystem mit dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern und einer effektiven Lehrerfortbildung müsse forschend begleitet werden.

Laut der Studie - einem Leistungsvergleich nach Bundesländern - können Bayerns Grundschüler am besten lesen, rechnen und Texte verstehen. In allen drei Disziplinen dominieren Länder aus dem Süden Deutschlands. Erhebliche Probleme haben dagegen die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Die Untersuchung ergab auch, dass Kinder aus Zuwandererfamilien bei ihren Leistungen im Rückstand sind.

Für den ersten rein innerdeutschen Grundschulleistungsvergleich wurden im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Viertklässler an über 1300 Grund- und Förderschulen getestet. Anders als bei den internationalen Schulleistungsstudien PISA, IGLU und TIMSS wurden die Testaufgaben für den nationalen Vergleich allein aus den von den Kultusministern verabredeten neuen bundesweiten Bildungsstandards entwickelt. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende der jeweiligen Jahrgangsstufe können soll.

In Summe zeigt die Studie wenig Neues

Beim Lesen liegen in der Spitzengruppe Bayern (515 Punkte), Sachsen (513), Sachsen-Anhalt (511) und Thüringen (510) dicht beieinander. Die Schlusslichter Hamburg (478), Berlin (467) und Bremen (463) liegen dagegen deutlich unter dem Bundesschnitt von 500 Punkten. Rund 60 Punkte entsprechen dem Lernfortschritt von einem Schuljahr.

In der Mathematik bilden Bayern (519), Sachsen und Sachsen-Anhalt (beide 517) sowie Baden-Württemberg (512) die Spitzengruppe. Klar unter dem Mittelwert von 500 Punkten liegen dagegen Brandenburg (491) Schleswig-Holstein (487) und Hessen (484) sowie die Stadtstaaten Hamburg (470) Bremen (452) und Berlin (451).

Getestet wurde auch, wie gut Schüler aus Gehörtem Informationen ziehen können. Bayern liegt hier ebenfalls ganz vorne (513) und deutlich über dem deutschen Mittelwert - gemeinsam mit Baden-Württemberg (509), Schleswig-Holstein (507) und Niedersachsen (507). Am Ende der Skala stehen beim Zuhören das Saarland (484), Berlin (472) und Bremen (467).

Die Untersuchung bestätigt frühere Erkenntnisse, wonach Jungen besser rechnen, die Mädchen dagegen besser lesen und schreiben können. Dies wird besonders bei der Orthografie deutlich. Dort sind die Mädchen den Jungen im Schnitt um 32 Punkte voraus - was dem Lernfortschritt von einem halben Schuljahr entspricht.

Quelle: n-tv.de, dpa

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