Politik

Erdogan eröffnet Moschee in Köln Laschet und Özdemir kritisieren Ditib

In Köln wird heute die Zentralmoschee des Ditib eröffnet. NRW-Ministerpräsident Laschet warnt den türkischen Verband im Vorfeld vor politischer Stimmungsmache. "Da ist eine Grenze überschritten", sagt er. Der CDU-Politiker ist mit seiner Kritik nicht allein.

Vor seinem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet den türkisch-islamischen Moscheeverband Ditib kritisiert. "Grundsätzlich muss Ditib sich wieder auf die theologische, seelsorgerische Arbeit konzentrieren, nicht Politik machen", sagte der CDU-Politiker der "taz am Wochenende".

Der Verband solle nicht Gülen-Leute beobachten oder für die Besetzung von Syrien beten. "Da ist eine Grenze überschritten", sagte Laschet weiter. Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Die Landesregierung hat nach eigener Darstellung alle Beziehungen zu Ditib eingefroren.

Seine Kritik will Laschet nach eigenen Angaben auch Erdogan mitteilen. Der türkische Präsident, der seit Donnerstag auf Staatsbesuch in Deutschland ist, will am Samstag in Köln die neue Ditib-Zentralmoschee eröffnen. Laschet wird ihn zuvor zu einem Gespräch treffen, aber nicht an der Eröffnung teilnehmen. Die Stadt Köln sagte zudem eine Großdemo zur Moscheeeröffnung ab, weil Ditib kein ausreichendes Sicherheitskonzept vorgelegt habe.

Auch der frühere Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir wandte sich gegen Versuche von türkischer Seite, in Deutschland "die Integrationspolitik über den Moscheeverband Ditib zu torpedieren". "Das darf nicht toleriert werden", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Gotteshäuser sind nicht Parteizentralen und Imame nicht dazu berufen, Oppositionelle auszuspionieren", stellte er klar. Vielmehr seien "Gotteshäuser dafür da, dass Menschen unterschiedlicher politischer Orientierung dort hingehen können, um gemeinsam zu beten".

"Spitzelsystem und Denunzianten-App"

Özdemir erinnerte daran, dass die Grünen schon frühzeitig auf die Probleme bei Ditib hingewiesen hätten. "Solange Ditib sich nicht lossagt von Erdogans Kurs und zu einer inländischen Organisation für in Deutschland lebende Muslime wird, so lange kann es auch da keine Normalität geben", sagte der frühere Parteivorsitzende.

Der Grünen-Politiker warf Erdogan vor, er wolle "die Deutschtürken in einer Art islamisch-nationalistischer Parallelgesellschaft an sich binden und unter den in Deutschland lebenden türkischen Exilanten mit seinem Spitzelsystem und jüngst der Denunzianten-App das Gift der Angst zu injizieren". Beides "dürfen wir nicht hinnehmen", sagte Özdemir. Über die kürzlich freigeschaltete App können türkeistämmige Menschen in Deutschland andere bei den türkischen Behörden anschwärzen und etwa Erdogan-kritische Äußerungen melden.

Kritiker werfen dem Moscheeverband Ditib vor, ein verlängerter Arm Erdogans zu sein. Der Verband ist eng verflochten mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die auch die Imame für Ditib aus der Türkei nach Deutschland entsendet. Diyanet untersteht unmittelbar dem türkischen Religionsministerium. Erwogen wird in Deutschland derzeit eine Beobachtung von Ditib durch den Verfassungsschutz.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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