Politik

Gedenken an KPD-Gründer Linke zelebriert Kommunismus

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Die Führungsriege der Linken vor den Gräbern Luxemburgs und Liebknechts (Von rechts: Klaus Ernst, Gesine Lötzsch, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine).

(Foto: REUTERS)

Die Linke pflegt mit der Erinnerung an den Mord an den KPD-Gründern Luxemburg und Liebknecht ihre Traditionen. Unter den Zehntausenden Teilnehmern findet sich auch Parteichefin Lötzsch. Die wird auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz tags zuvor mit großem Applaus bedacht, geht mit dem Wort "Kommunismus" aber vorsichtig um.

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Offensichtlich zufrieden mit der Kundgebung: Lötzsch und Ernst.

(Foto: dpa)

Mehrere tausend Menschen haben in Berlin traditionell an den Mord an den Kommunistenführern Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht vor 92 Jahren erinnert. Sie zogen an der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde vorbei. Viele Menschen legten rote Nelken und Kränze an den Gräbern der KPD-Gründer nieder. Nach Angaben der Linken kamen wie im vergangenen Jahr insgesamt rund 40.000 Menschen. Hunderte linke und linksradikale Gruppen trafen sich, um zur Gedenkstätte zu ziehen.

Als erste der Spitzenvertreter traf die wegen ihrer Äußerungen zum Kommunismus nicht nur vom politischen Gegner kritisierte Linke-Chefin Gesine Lötzsch ein. Auch der Co-Vorsitzende Klaus Ernst, Fraktionschef Gregor Gysi, Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau und der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine nahmen an der Gedenkveranstaltung teil.

Beifall für Lötzsch

Lötzsch war tags zuvor unter großem Beifall bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin aufgetreten. Zur Vorbereitung der Konferenz hatte die Parteichefin in einem Beitrag für die marxistische Zeitung "Junge Welt" geschrieben: "Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung." Am Ende ihrer Ausführungen kam Lötzsch dann aber zu dem Ergebnis, dass dem demokratischen Sozialismus die Zukunft gehöre. Auch parteiinterne Kritiker bemängelten, dass sie mit keinem Wort die Millionen Opfer des Kommunismus erwähnte und die Leser auch im Unklaren darüber ließ, was sie genau unter Kommunismus versteht.

Besonders Gregor Gysi hatte Lötzsch für ihre Wortwahl kritisiert. Dem trat Lötzsch auf der Konferenz aber deutlich entgegen. "Gysi hat (...) nicht Recht, wenn er meint, dass man den Begriff des Kommunismus nicht mehr verwenden darf", rief sie in den Saal. Auch der politische Gegner bekam sein Fett weg. Es sei eine "Unverschämtheit", wenn man ihr vorwerfe, nicht auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen. "Ich bin mit Haut und Haar Demokratin." Und "ignorant oder böswillig" sei der, der behaupte, die Linke habe ihre Geschichte nicht aufgearbeitet. Mehrmals musste Lötzsch ihre fast 20 Minuten lange Rede wegen Beifallsstürmen unterbrechen.

Keine "Wege zum Kommunismus"

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Lötzsch bei ihrer Rede.

Dabei dürfte Lötzsch aus Sicht der meisten Konferenzteilnehmer eigentlich noch zu moderat sein. Stunden vorher diskutierte die Konferenz über "Imperialismus im 21. Jahrhundert: Lernen, wie wir kämpfen müssen." Am Abend folgt eine Diskussion zum Thema "Wo bitte geht`s zum Kommunismus" mit der früheren RAF-Terroristin Inge Viett, die im Programm als "radikale Linke" angekündigt wurde, und DKP-Chefin Bettina Jürgensen. Lötzsch sagte ihre Teilnahme kurzfristig ab und hielt stattdessen ihre Rede.

Dabei wählte Lötzsch ihre Worte zum Kommunismus vorsichtiger aus. Sie betont zwar, dass es falsch wäre, den "Mantel des Schweigens über die Ideen des Kommunismus" auszubreiten. Der Kapitalismus sei nicht das Ende der Geschichte. Ihre vielzitierten "Wege zum Kommunismus" wiederholte sie aber nicht.

Quelle: ntv.de, cba/dpa

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