Politik

Domherr von St Paul's tritt zurück London will Protestlager räumen

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Der Polizei ist das Zeltlager ein Dorn im Auge.

(Foto: AP)

Genug protestiert: Die Londoner Polizei will nun gegen das Protestlager vor der Kathedrale St. Paul's vorgehen. Die Zelte sollten abgebaut werden, da wichtige Straßen blockiert würden, heißt es. Gleichzeitig soll die Kirche wieder geöffnet werden. Der Domherr der Kathedrale war zuvor zurückgetreten. Er unterstützt die Anti-Banken-Proteste.

Der Streit um ein Camp von Finanzmarktgegnern vor der Londoner St Paul's Kathedrale verschärft sich: Die Londoner Stadtteilverwaltung kündigte an, man werde nun juristisch gegen das Zeltlager vor dem Touristenmagneten vorgehen. Vor Gericht solle erreicht werden, dass die rund 200 Zelte abgebrochen werden, teilte die City of London mit. Unterdessen öffnete die Kirche nach einer Woche Schließung wegen des Lagers wieder ihre Türen.

Man habe vor Gericht gute Chancen, weil die Demonstranten wichtige Wege blockierten, die täglich von Tausenden Menschen genutzt würden, sagte ein Sprecher der City of London. Ein Kirchenvertreter erklärte, bedauerlicherweise sei der juristische Weg nötig geworden. Auch der britische Premierminister David Cameron hatte die Demonstranten zuvor zum Rückzug aufgefordert.

Die Demonstranten hatten sich vor rund zwei Wochen in Anlehnung an die Proteste der New Yorker Wall Street vor der Londoner Börse niederlassen wollen. Als ihnen das untersagt wurde, hieß die nahe gelegene Kirche sie willkommen. Vergangene Woche hatte sie die Camper jedoch gebeten, das Lager abzubrechen, da Gesundheitsgefahr auch für die Besucher der Kathedrale bestehe. Daran hatte sich aber niemand gehalten.

20.000 Pfund Einnahmen verloren

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Die Kathedrale ist wieder eröffnet.

(Foto: Reuters)

Mittlerweile wurden die Zelte aber anders angeordnet, so dass die Kirche wiedereröffnet werden konnte. Die Kuppel und die Galerien blieben trotzdem vorerst weiter geschlossen. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wurde St Paul's geschlossen. Der Kirche gingen damit nach eigenen Angaben täglich Einnahmen von rund 20.000 Pfund (22.800 Euro) verloren, die für die Instandhaltung gebraucht werden.

"Wir freuen uns, dass wir wieder in einer geöffneten Kathedrale den Gottesdienst abhalten können", sagte Domdekan Graeme Knowles vor hunderten Anwesenden bei der Mittagsmesse, an der auch einige Demonstranten teilnahmen. Die berühmte Kathedrale ist ein Top-Touristenziel in der englischen Hauptstadt.

Domherr tritt zurück

Die anglikanische Kirche wirkte in ihrer Haltung gegenüber dem Protest zunehmend gespalten. Am Donnerstag war der Domherr Giles Fraser zurückgetreten, der sich mit der Protestbewegung solidarisch gezeigt hatte. Er habe seinen Rücktritt "mit großem Bedauern und mit Traurigkeit" eingereicht, teilte Giles Fraser mit. Ein Kirchensprecher bestätigte die Amtsniederlegung. Fraser hatte die Entscheidung zur Schließung der Kathedrale wegen des Protestlagers abgelehnt.

Wie die BBC berichtete, begrüßte der ehemalige Philosophie-Dozent Fraser die Einrichtung des Protestcamps gegen die Macht der Banken und weigerte sich, der gewaltsamen Räumung des Camps zuzustimmen. Zudem habe er auch rechtliche Schritte gegen die Demonstranten abgelehnt. Der frühere Erzbischof von Canterbury, George Carey, schrieb dagegen im "Daily Telegraph", bei den Demonstranten handele es sich um "verwöhnte Kinder".

Quelle: ntv.de, dpa/AFP