Politik

Afrikanische Pionierin Maathai inspirierte Millionen

Wangari Maathai kämpfte zeitlebens für Umweltschutz, Frauenrechte und ein besseres Afrika. "Mama Miti" (Mutter der Bäume) wurde die Nobelpreisträgerin in Kenia genannt. Ihr Aufforstungsprogramm hat Geschichte geschrieben. Ein Porträt.

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Berechtigter Stolz: Wangari Maathai am 10. Dezember 2004 in Oslo mit ihrem Friedensnobelpreis.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mit Frauen wie Wangari Maathai können so manche Männer in Afrika auch heute nur schwer umgehen. Sie war erfolgreich, engagiert und energisch. Gleichzeitig intellektuelle Professorin und vielseitig interessierte Pionierin, unerschütterlich in ihrem Kampf für die Umwelt und unermüdlich im Einsatz für Frauenrechte. Ihr Ehemann ließ sich 1980 von der Wissenschaftlerin scheiden - mit der Begründung, sie sei "zu stark, zu eigensinnig und zu schwer zu kontrollieren".

Damals konnte er noch nicht ahnen, dass die Erfolgskurve Maathais noch in ungeahnte Höhen steigen sollte: 2004 wurde sie als erste Afrikanerin mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Damals hatte sie mit ihrer 1977 gegründeten Grüngürtel-Bewegung bereits 30 Millionen neue Bäume in ihrer Heimat pflanzen lassen und der hemmungslosen Rodung rund um die Hauptstadt Nairobi Einhalt geboten. "Mama Miti" (Suaheli für "Mutter der Bäume") wurde sie deshalb auch genannt.

Teil einer großen Mission

Vor allem Frauen aus ländlichen Gebieten standen bei diesem Kampf gegen Entwaldung und Bodenerosion im Mittelpunkt ihres Interesses. Sie alle seien Teil einer größeren Mission, bei der es darum gehe "eine Gesellschaft zu schaffen, die Werte wie Demokratie, Anstand, die Einhaltung von Gesetzen sowie Menschen- und Frauenrechte respektiert", sagte sie einmal.

Genau mit dieser Überzeugung antwortete Maathai auch auf die Frage, was Umweltschutz denn mit Frieden zu tun habe, als sie in Oslo den renommierten Nobelpreis entgegennahm: "Kriege werden eigentlich immer um nationale Ressourcen geführt. Deshalb sind Umweltschutz, Frieden und auch Demokratie unlösbar miteinander verknüpft."

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"Mutter der Bäume": Wangari Maathai neben einem illegal abgeholzten Baum im Sabatia-Wald.

(Foto: REUTERS)

Für Aufsehen sorgte Maathai mit landesweiten Protestaktionen, so etwa gegen den Bau eines 80-stöckigen Gebäudekomplexes mitten in der "grünen Lunge" Nairobis, dem Uhuru-Park. Sie gewann: Das Bauvorhaben scheiterte, 1991 wurde der letzte Bauzaun abgerissen.

Von Sicherheitskräften bewusstlos geprügelt

Aber die Mutter von drei Kindern engagierte sich nicht nur für die grüne Bewegung. 1992 organisierte sie einen Hungerstreik, an dem sich zahlreiche Mütter politisch Inhaftierter beteiligten. Eine Demonstration im Uhuru-Park wurde gewaltsam aufgelöst und Maathai von Sicherheitskräften bewusstlos geprügelt - was sie aber nicht davon abhielt, nur drei Monate später zum "Earth Summit" in Rio de Janeiro zu reisen, um die Teilnehmer für den Umweltschutz zu mobilisieren.

Jahrelang geriet sie immer wieder mit dem korrupten Regime von Präsident Daniel arap Moi aneinander und wurde etwa ein Dutzend Male festgenommen. Erst 2002 zog sie dann selbst mit dem oppositionellen Wahlbündnis "National Rainbow Coalition" ins Parlament ein und wurde zur Vize-Umweltministerin ernannt.

Kampf für besseres Afrika

In ihrem Einsatz für ein besseres, grüneres, gerechteres Afrika war Wangari Maathai, die als erste Kenianerin einen Doktortitel von der University of Nairobi erhielt, eine Inspiration für Millionen. Jahrzehntelang konnte sie niemand stoppen. Erst ein schweres Krebsleiden bereitete ihrem Kampf ein Ende.

Quelle: n-tv.de, Carola Frentzen, dpa

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