Politik

Putsch oder Putschversuch? Machtkampf in Guinea

Einen Tag nach dem Putschversuch von Teilen des Militärs gibt es widersprüchliche Meldungen zu der Lage im westafrikanischen Guinea. Die Putschisten benannten eigenen Angaben zufolge eine Junta, die die Regierung ersetzen soll. Von den 32 Mitgliedern des Gremiums sind aber nur sechs Zivilisten. Der Putschistenführer, Hauptmann Moussa Dadis Camara, steht der Junta vor. Camara hatte am Dienstag nur Stunden nach dem Tod des langjährigen Präsidenten Lansana Cont angekündigt, dass die Regierung abgesetzt und die Verfassung außer Kraft gesetzt seien.

Die zivile Verwaltung betonte unterdessen, sie regiere das Land weiter. Der Präsident der Nationalversammlung, Aboubacar Sompar, der nach der Verfassung Interimspräsident werden müsste, sagte, dass die Putschisten nicht das gesamte Militär repräsentierten. "Das ist ein versuchter Staatsstreich", erklärte er einem französischen Fernsehsender. "Ich glaube nicht, dass die gesamte Armee hinter den Aufständischen steht...Es ist eine Gruppe."

Regierung bleibt im Amt

Das bestätigte Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souare. Er sagte dem französischen Radiosender RFI, dass seine Regierung weiter im Amt sei und es auch während der Übergangszeit bis zur Wahl eines neuen Präsidenten bleiben werde.

Ein Militärsprecher sagte dem britischen Sender BBC, dass nur eine Minderheit in der Armee gegen den Coup sei. Es würden Diskussionen in einer Militärbasis in der Hauptstadt Conakry geführt, um Soldaten zum Wechsel der Seite zu bewegen. Die Europäische Union, die Afrikanische Union und die Vereinten Nationalen verurteilten den Putsch und riefen alle Parteien dazu auf, die Verfassung zu respektieren und einen friedlichen Wechsel an der Staatsspitze sicherzustellen.

Beisetzung am Freitag

Cont war 1984 in einem unblutigen Putsch an die Macht gekommen und hatte das Land bis zu seinem Tod mit harter Hand regiert. In den vergangenen Jahren hatte es Unruhen und Streiks gegeben. Der Hintergrund waren gestiegene Kosten für Nahrungsmittel und Treibstoff.

Der verstorbene Staatschef soll am Freitag beerdigt werden. Cont solle in seinem Heimatdorf Lansanya im Norden der Hauptstadt Conakry beigesetzt werden, sagte ein Vertrauter der Angehörigen. Der langjährige Staatschef war in der Nacht zum Dienstag im Alter von 74 einer schweren Krankheit erlegen.

Quelle: n-tv.de

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