Politik

Blutige Massenproteste Mehr als 15 Tote in Teheran

Laut iranischem Staatsfernsehen kommen bei den Demonstrationen gegen Präsident Ahmadinedschad am Wochenende in Teheran mehr als 15 Menschen ums Leben. Zehntausende hatten am Rande des islamischen Aschura-Festes gegen das Regime protestiert.

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Auf den Straßen Teherans herrschte teilweise komplettes Chaos.

(Foto: dpa)

Bei Massenprotesten in Teheran sind nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens mehr als 15 Menschen getötet worden. "Bei verdächtigen Aktionen" seien fünf Menschen "von Terrorgruppen" getötet worden, meldete das Staatsfernsehen unter Berufung auf das Geheimdienstministerium. Zudem seien "mehr als zehn bekannte Mitglieder von terroristischen antirevolutionären Gruppen getötet" worden, hieß es in einer Sendung über die gewaltsamen Proteste der Gegner von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Nähere Angaben machte der Sender nicht.

Nach Angaben der Opposition wurde der Chef der liberalen Opposition, Ibrahim Jasdi, festgenommen.

Mussawis Neffe getötet

In anderen Medienberichten war zuvor von bis zu acht Toten die Rede gewesen. Die Polizei bestätigte den Tod von fünf Menschen. Unter den Opfern ist offenbar auch ein Neffe von Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi. Das meldeten die regimekritischen Internet-Seiten Parlemannews und Rahesabs. Zehntausende Demonstranten beteiligten sich am Wochenende trotz eines Großeinsatzes der Sicherheitskräfte an einer der größten Protestaktionen seit dem Sommer. Dabei wurden nach Polizeiangaben mehr als 300 Demonstranten festgenommen.

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Demonstranten setzen einem Polizisten ein grünes Tuch auf.

(Foto: AP)

Sejed Ali Mussawi sei von einer Kugel nahe am Herzen getroffen worden und nach seiner Einlieferung in das Ebnesina-Krankenhaus gestorben, berichtet Parlemannews. Demnach eilten seine Eltern sowie sein Onkel Mir-Hossein Mussawi in das Krankenhaus. Mir-Hossein Mussawi hatte bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni gegen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad verloren. Mussawis Berater Beheschti bestätigte diese Angaben gegenüber einer regimekritischen Webseite.

Tränengas eingesetzt

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Da der westlichen Presse die Berichterstattung verboten ist, gelangen nur Bilder von beteiligten Augenzeugen an die Öffentlichkeit.

(Foto: REUTERS)

Die Lage in Teheran war offenbar stundenlang völlig unübersichtlich. Die Sicherheitskräfte, die von den regierungstreuen Bassidsch-Milizen unterstützt wurden, setzten nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein, von Seiten der Demonstranten wurden Steine geworfen und Barrikaden errichtet, etwa am Asadi-Platz. Mehrere Polizeifahrzeuge wurden den Berichten zufolge in Brand gesetzt.

Die regierungskritische Internetseite "Jaras" berichtet ebenfalls, dass die Polizei in Teheran das Feuer auf Anhänger der Reformbewegung eröffnet habe. Außerdem sollen sich Polizisten Befehlen widersetzt haben, hart gegen Demonstranten vorzugehen, meldet "Jaras". "Die Polizisten weigern sich, die Befehle ihrer Vorgesetzten zu erfüllen und auf Demonstranten im Zentrum zu schießen", hieß es. "Einige versuchen, in die Luft zu schießen, wenn sie von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt werden."

Protest am Rande des Aschura-Festes

Auch in den Städten Isfahan, Nadschafabad, Schiras und Babol habe es gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben, berichtete Rahesabs. Die Opposition machte sich das Aschura-Fest zunutze - da aus diesem Anlass ohnehin zahlreiche Menschen in den Straßen sind, werden Polizeieinsätze gegen Demonstranten erschwert.

Aschura erinnert an Leiden und Tod des Begründers der schiitischen Glaubensrichtung, Imam Hussein. Unter Bezug auf das islamische Fest skandierten die Demonstranten in Teheran: "Es ist der Monat des Bluts, die Basidsch werden fallen!" Die Basidsch sind regimetreue Volksmilizen, die schon öfter brutal gegen Demonstranten vorgegangen sind.

Rede Chatamis verhindert

Die Oppositionellen hatten sich bereits am Samstag an zunächst mehreren Stellen in Teheran versammelt, darunter auch an der Universität, heißt es auf regimekritischen Websites. Zu größeren Protesten kam es nach Augenzeugenberichten am Samstagnachmittag auch in der belebten Niavaran-Avenue im Norden Teherans. Dort gingen Hunderte Anhänger der grünen Bewegung von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi auf die Straße. Sie riefen Parolen gegen Ahmadinedschad, nachdem eine Rede des regimekritischen Ex-Präsidenten Mohammed Chatami von Anhängern Ahmadinedschads verhindert worden war. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe die Demonstranten bis in Seitenstraßen verfolgt.

Zuletzt hatten die Regimekritiker die Trauerfeierlichkeiten für den vor einer Woche gestorbenen Großajatollah Hussein Ali Montaseri für Demonstrationen in vielen Städten des Landes genutzt. Die Proteste im Iran richten sich gegen die umstrittene Wiederwahl von Ahmadinedschad im Juni. Die Opposition wirft dem erzkonservativen Präsidenten Wahlbetrug vor. Montaseri hatte Ahmadineschad mehrfach beschuldigt, diktatorisch zu regieren.

Quelle: ntv.de, dpa/rts/AFP