Politik

Skandal in Tschechien Militärpolizei stürmt Fernsehen

Maskierte Soldaten der Militärpolizei dringen in die Zentrale des Tschechischen Fernsehens ein, durchsuchen Büros und beschlagnahmen Computer und Unterlagen. Sie ermitteln wegen des Verdachts der Weitergabe geheimer Dokumente. Der Sender nennt das Vorgehen "völlig unakzeptabel".

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Verteidigungsminister Vondra hat inzwischen Konsequenzen gezogen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein mit Maschinengewehren bewaffnetes Kommando der Militärpolizei ist in der Nacht in das Sendezentrum des Tschechischen Fernsehens (CT) eingedrungen. Die maskierten Soldaten verfügten über einen Durchsuchungsbefehl wegen des Verdachts der Weitergabe geheimer Dokumente.

Ein Dutzend Feldjäger besetzten das Büro des Redakteurs Karel Rozanek und konfiszierten Computer, Notizen, Visitenkarten, Videokassetten und andere Materialien, berichtete die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Die Einheit verließ das Gebäude erst gegen 01.00 Uhr morgens.

Parallelen zur Spiegel-Affäre

Der Chefredakteur Nachrichten des Fernsehsenders, Karel Novak, verurteilte die Machtdemonstration der Militärpolizei als "völlig inakzeptabel". Die Zeitung "Dnes" verglich die Aktion mit der "Spiegel"-Affäre von 1962, bei der die Polizei Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins in Hamburg durchsucht hatte.

Verteidigungsminister Alexandr Vondra zog inzwischen erste Konsequenzen und suspendierte den Chef der Militärpolizei vom Dienst. Ministerpräsident Petr Necas habe diese Entscheidung begrüßt und den Polizeieinsatz als "inadäquat und in seiner Form besorgniserregend" kritisiert, sagte sein Sprecher.

Die Soldaten fahndeten nach Material aus dem Jahr 2007, über das der Journalist Rozanek berichtet hatte. Im Visier des Verteidigungsministeriums stand damals der ehemalige Chef des Militär-Nachrichtendienstes, Miroslav Krejcik, weil er Korruption in dem Ressort aufdecken wollte.

Quelle: ntv.de, dpa

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