Politik

Wann entscheidet der Papst? Mixa-Vertrauter muss gehen

Die Diözese Augsburg räumt weiter auf: Der Koordinator für die Öffentlichkeitsarbeit, Voß, verliert seine Position. Er hatte Bischof Mixa in den letzten Wochen auch hinsichtlich seiner Entgegnungen auf die Prügel-Vorwürfe beraten. Mit fataler Wirkung. Unterdessen fordern Kirchenreformer eine schnelle Entscheidung des Papstes im Falle Mixa.

Nach dem Wirbel um den Augsburger Bischof Walter Mixa und dessen Rücktrittsangebot an den Papst werden in der Diözese weitere personelle Konsequenzen gezogen. Der bisherige Koordinator für die Öffentlichkeitsarbeit im Bistum Augsburg, Dirk Hermann Voß, wurde von seinen Aufgaben entbunden. Generalvikar Karlheinz Knebel übernehme die Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit der Diözese, teilte das Ordinariat mit.

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Generalvikar Knebel (l.) und Weibischof Losinger im Gespräch mit dem Mediendirektor des Bischofs, Voß (r.).

(Foto: dpa)

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" appellierte unterdessen an den Vatikan, über Mixas Rücktrittsgesuch möglichst rasch zu entscheiden. Eine lange Hängepartie wäre den Katholiken im Bistum Augsburg nicht zuzumuten, sagte "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner. Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats, Helmut Mangold, mahnte zudem, nach der Entscheidung über das Rücktrittsangebot dürfe es dann nicht wieder ein Jahr dauern, bis ein neuer Bischof ernannt wird.

Ungeachtet seiner Ablösung in der Öffentlichkeitsarbeit bleibt Voß Geschäftsführer der Mediengruppe Sankt Ulrich Verlag, hieß es. Voß hatte die öffentliche Debatte um die Prügel- und Finanzaffäre als eine Medienkampagne gegen die Kirche bezeichnet, durch die Mixa als exponierter Vertreter der katholischen Kirche gezielt beschädigt werden solle.

Innerkirchlich war Voß höchst umstritten. Er galt als einflussreicher Berater von Mixa. Voß wird vor allem die erste öffentliche Stellungnahme nach den Prügelvorwürfen gegen Mixa angelastet. Darin hatte der Bischof alle Vorwürfe als unwahr zurück gewiesen und mit straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen gedroht. Zu dieser Formulierung soll der Jurist Voß den Bischof gedrängt haben, wie es in Kirchenkreisen heißt.

"Soldaten brauchen Bischof"

Weisner betonte, ein rasches Votum Roms zu Mixa sei auch deshalb nötig, weil dieser nicht nur als Augsburger Bischof, sondern auch als katholischer Militärbischof in Deutschland zurücktreten wolle. In der jetzigen schwierigen Lage in Afghanistan bräuchten die katholischen Soldaten und ihre Familien schnell wieder einen handlungsfähigen Militärbischof. "Auch deswegen muss man auf eine schnelle Entscheidung des Vatikans über Mixas Rücktrittsangebot hoffen", sagte Weisner.

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Mixa ist in den Urlaub gefahren.

(Foto: AP)

Nach wochenlanger Kritik an seiner Person hatte Mixa am Mittwochabend Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angeboten. Zur Begründung hatte er gesagt, er wolle weiteren Schaden von der Kirche abwenden und im Bistum Augsburg einen Neuanfang ermöglichen. Mixa war unter massiven Druck geraten, weil er in seiner Zeit als Stadtpfarrer im oberbayerischen Schrobenhausen (1975 bis 1996) Heimkinder geschlagen haben soll. Mixa hatte dies zunächst geleugnet, dann aber doch "Ohrfeigen" eingeräumt. Frühere Heimkinder werfen ihm in eidesstattlichen Erklärungen jedoch massive Prügelattacken vor. Mixa werden auch finanzielle Unregelmäßigkeiten in seiner Zeit als Stadtpfarrer angelastet.

Durch Mixas spätes "Ohrfeigen"-Geständnis ist der Kirche nach Auffassung von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) erheblicher Schaden entstanden. Er hätte sich ein ehrlicheres Verhalten von Mixa gewünscht, sagte Thierse. Offenbar habe bei Mixa eine Art Sonderbewusstsein eines katholischen Priesters vorgelegen: "Er meinte, durch Amt, durch Weihe, sei er etwas anderes als andere Menschen." Ein derartiges Verhalten sei auch in der Politik oder im sonstigen öffentlichen Leben immer wieder zu beobachten. "So spät wie möglich etwas zugeben, erst unter Druck Konsequenzen ziehen - das ist uns doch vertraut aus vielen Bereichen."

Quelle: ntv.de, dpa