Politik

Kur in der Wüste? Möllemann in Dubai

So langsam haben auch die Vertrauten des ehemaligen FDP-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann Schwierigkeiten, den alten Freund zu orten. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, Möllemann sei am Dienstag nach Dubai gereist.

Der Münsteraner FDP-Bezirksvorsitzende, Heinz-Wilhelm Steinmeier, versicherte der Deutschen Presseagentur, Möllemann habe ihn noch am Dienstagabend von seinem privaten Telefonanschluss in Münster aus angerufen. Demnach könne er nicht am Nachmittag abgeflogen sein. Dem Zeitungsbericht zufolge reiste der ehemalige FDP-Vizevorsitzende um 14.37 Uhr mit einer Maschine der "Emirates Airline" vom Flughafen Düsseldorf in das Scheichtum am Persischen Golf.

Weder der Düsseldorfer Flughafen noch die Airline wollten die Angaben bestätigen oder Namen aus der Passagierliste nennen. Eine Bestätigung für Möllemanns Abflug kam hingegen von einem anderen Möllemann-Vertrauten. "Er ist ins Ausland geflogen", sagte der Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, Harald Bock, am Mittwoch in Berlin der dpa. Das Reiseziel des Politikers, der auch Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft ist, wollte Bock jedoch nicht mitteilen.

Die "Bild" hatte auch berichtet, Möllemanns gesundheitliche Beschwerden dauerten laut Attest eines Münsteraner Internisten weiter an. Der Politiker leide immer noch an Herzbeschwerden, außerdem sei sein Sodbrennen schlimmer geworden, und er leide an allgemeiner Erschöpfung. Empfohlen werde Möllemann ein Aufenthalt außerhalb des "üblichen politischen und medialen Umfeldes zu Erholungszwecken", hieß es in der

Weiteres Ausschluss-Verfahren

Nach der Bundespartei und der Bundestagsfraktion hatte am Dienstag auch die nordrhein-westfälische FDP-Landtagsfraktion ein Ausschluss-Verfahren gegen ihren früheren Vorsitzenden Möllemann eingeleitet. Zugleich forderte die Fraktion Möllemann auf, sein Landtagsmandat freiwillig zurückzugeben.

Allerdings dürften sich die Ausschlussverfahren der Fraktionen gegen Möllemann in die Länge ziehen, da Möllemann noch gehört werden muss und unter Umständen auch noch die Gerichte bemühen wird. Am Dienstag legte Möllemann Briefen an die Mitglieder der Bundestagsfraktion und der NRW-Landtagsfraktion eine ärztliche Bescheinigung bei, wonach er bis Ende Dezember 2002 weiterhin arbeitsunfähig ist. Nach seiner Herzerkrankung hatte Möllemann zunächst mitgeteilt, dass er Anfang Dezember gesundheitlich wieder hergestellt sei.

In seinen Briefen drohte Möllemann erneut mit der Gründung einer eigenen Partei. Erneut warf Möllemann der FDP vor, dass derzeit Entscheidungsprozesse abliefen, die mit liberalen Grundsätzen der Rechtsstaatlichkeit wenig gemeinsam hätten. Über seine Mitgliedschaft im Bundestag beziehungsweise im nordrhein-westfälischen Landtag wolle er "nach seiner Genesung in Ruhe entscheiden".

Ein Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion sagte, das Schreiben habe nicht überrascht. Das Attest datiere vom 30. November. Danach habe Möllemann "fleißig Interviews gegeben". Deshalb sei er sicherlich auch in der Lage, vor der Bundestagsfraktion zu den Vorwürfen der Verletzung des Parteiengesetzes Stellung zu nehmen.

Quelle: ntv.de