Politik

Unsicherheit an Schulen Morddrohungen und Gasanschlag

Knapp eine Woche nach dem Amoklauf eines 19-Jährigen in einem Erfurter Gymnasium ist es in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bayern zu weiteren Vorfällen an Schulen gekommen. An einem Essener Gymnasium konnte ein Gas-Anschlag verhindert werden. In Magdeburg haben Unbekannte Morddrohungen gegen Lehrer an eine Wand einer Gesamtschule gesprüht. In Bayern wurden drei Jugendliche, die gegenüber Mitschülern und Bekannten mit Attentaten gedroht hatten, festgenommen.

Anschlag in Essen

In Essen ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ein Gas-Anschlag auf eine Schule vereitelt worden. Wie die Polizei am Donnerstag berichtete, drang ein 18 Jahre alter ehemaliger Gymnasiast in der Nacht zum 1. Mai in das Viktoria-Gymnasium ein und öffnete im Chemieraum den zentralen Gashahn.

Am Morgen wurde eine Chemielehrerin, die eine Inventur vornehmen wollte, auf den Gasgeruch aufmerksam. Sie öffnete die Fenster und verhinderte damit eine Explosion.

Der 18-Jährige sei wenig später festgenommen worden und habe die Tat gestanden, berichtete die Polizei. Nach seiner Aussage war der ehemalige Schüler mit einem gestohlenen Generalschlüssel in das Gymnasium eingedrungen. Als Motiv gab er an, er habe sich von seiner Chemielehrerin nicht richtig beachtet gefühlt.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, der Jugendrichter habe gegen den 18-Jährigen Haftbefehl wegen versuchten Mordes und versuchter Herbeiführung einer Explosion erlassen. Zudem sei eine psychiatrische Untersuchung angeordnet worden, da der junge Mann nach seiner Festnahme Selbstmordabsichten geäußert habe.

Der junge Mann habe sich in den vergangenen Monaten in der Chemie AG der Oberstufe sehr auffällig verhalten und sich Ende März plötzlich vom Gymnasium abgemeldet, sagte Polizeisprecher Uwe Klein.

In seiner Wohnung fanden die Beamten große Mengen Chemikalien sowie zahlreiche weitere Schlüssel der Schule. „Der junge Mann war offenbar sehr an Chemie interessiert und hatte viel experimentiert“, sagte Klein. Weitere Einzelheiten seien noch nicht bekannt.

Bereits Anfang März hatten drei 14-jährige Essener Schüler im Chemieraum ihrer Hauptschule mehrere Gashähne geöffnet.

Morddrohungen in Magdeburg

In Magdeburg sprühten Unbekannte Morddrohungen gegen Lehrer an eine Wand einer Gesamtschule. Nach Angaben der Polizei wurde in dem Text, der noch in der Nacht zum Donnerstag entfernt worden sei, ausdrücklich Bezug auf die Tat in Erfurt genommen. Die Polizei gehe von einem so genannten Trittbrettfahrer aus, sagte ein Sprecher.

Besondere Sicherungsmaßnahmen oder Personenschutz gegen die benannten Lehrer seien nicht angeordnet worden, hieß es weiter. Polizei und Schulbehörden gingen davon aus, dass es sich bei den Tätern um Trittbrettfahrer handele, die möglicherweise gehofft hätten, durch ihre Tat um die anstehende Abiturprüfung herumzukommen. An Sachsen-Anhalts Gymnasien und Gesamtschulen werden in diesen Tagen die Abschlussprüfungen abgelegt.

Wie der Drohtext lautete und welcher Bezug zur Tat von Erfurt hergestellt wurde, wollte die Polizei aus Ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Drei Festnahmen in München

In Bayern will die Polizei nach der Bluttat in Erfurt entschlossen gegen mutmaßliche Trittbrettfahrer vorgehen. Allein in München wurden drei Jugendliche festgenommen, die unabhängig voneinander ähnliche Taten gegenüber Bekannten angekündigt haben sollen. Die drei Schüler im Alter von 14, 15 und 18 Jahren seien durch Hinweise von Mitschülern ermittelt worden, teilte die Polizei mit. "Sie werden neben den strafrechtlichen Konsequenzen gegebenenfalls auch mit erheblichen zivilrechtlichen Forderungen zu rechnen haben", sagte eine Polizeisprecherin. Die Beamten hatten sofort nach Bekanntwerden der Drohungen Sicherheitsmaßnahmen für die betroffenen Schulen in die Wege geleitet.

Quelle: n-tv.de