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Frauen und Kinder sterben bei Angriff NATO sagt "Sorry"

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Trauer und Wut bei den Angehörigen der getöteten Kinder in Helmand.

REUTERS

Nach dem Tod vieler Kinder bei einem NATO-Luftangriff in Afghanistan entschuldigt sich der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe "von ganzem Herzen" für den Vorfall und bittet die Afghanen gleichzeitig um Vertrauen. Der afghanische Präsident Karsai wirft den USA "Mord" vor und fordert Armee und das Weiße Haus in einer "letzten Warnung" auf, ihre "einseitigen und unsinnigen" Einsätze zu unterlassen.

Die NATO hat sich für einen Luftangriff entschuldigt, bei dem in der Nacht zum Sonntag im Süden Afghanistans auch viele Kinder getötet worden waren. "Ich entschuldige mich von ganzem Herzen bei den Familien und Freunden der Getöteten", sagte der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF im Südwesten Afghanistans, der US-Generalmajor John Toolan, nach Berichten des US-Senders CNN. Er bat die Afghanen um Vertrauen und forderte sie auf, die eigenen Sicherheitskräfte weiter zu unterstützen. Die Entschuldigung erfolge im Namen der ISAF und ihres Oberkommandierenden David Petraeus, sagte er.

Toolan zufolge kamen bei dem Angriff in der Provinz Helmand neun Zivilisten ums Leben. Laut CNN hatte die ISAF zuvor - ebenso wie die Provinzregierung - von zwölf getöteten Kindern und zwei Frauen gesprochen. Einen Grund für die unterschiedlichen Zahlen nannte Toolan nicht. Nach Angaben des afghanischen Präsidenten Hamid Karsais wurden bei dem NATO-Angriff zehn Kinder, zwei Frauen und zwei Männer getötet.

Karsai spricht von "Mord"

Den Worten eines Sprechers des Weißen Hauses zufolge nimmt die US-Regierung die Kritik Karsais "sehr ernst". "Präsident Karsai hat mehrmals seine Besorgnis ausgedrückt hinsichtlich des Todes von Zivilisten", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One auf dem Weg nach Missouri. "Das ist eine Sorge, die wir teilen und die wir sehr ernst nehmen."

Karsai hatte am Sonntag in einer Erklärung auf den Tod der 14 Zivilisten reagiert. Er bezeichnete den Angriff als "schweren Fehler" und "Mord" und forderte die Armee und die Regierung der USA in einer "letzten Warnung" auf, ihre "einseitigen und unsinnigen" Einsätze zu unterlassen. Hubschrauber der US-Armee hatten nach Angaben der örtlichen Behörden Raketen auf zwei Häuser gefeuert, nachdem Aufständische eine US-Stellung angegriffen hatten.

Tote Zivilisten auch im Nordosten

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Die in Nuristan verwundeten Zivilisten werden in einem Krankenhaus in Kunar versorgt.

(Foto: dpa)

Bei einem weiteren Luftangriff im Nordosten Afghanistans wurden "versehentlich" 18 Zivilisten und 20 afghanische Polizisten getötet, wie Dschalamuddin Badr, Gouverneur der Provinz Nuristan, mitteilte. Bei dem Angriff von US-Kampfjets, der allerdings schon am Donnerstag erfolgte, seien 85 Taliban getötet worden.

Ein ISAF-Sprecher erklärte, die Vorfälle würden untersucht. Karsai hatte das Verteidigungsministerium erst am Samstag angewiesen, Angriffe ausländischer Truppen zu verhindern, die nicht mit den Afghanen koordiniert sind. Das Ministerium soll nach der Direktive außerdem die gezielten nächtlichen Operationen von US-Spezialeinheiten - sogenannte Night Raids - unter seine Kontrolle bringen. Die Anordnung Karsais dürfte zu Spannungen mit der NATO führen. Zivile Opfer bei NATO-Angriffen sorgen für zunehmenden Unmut in der afghanischen Regierung und Bevölkerung.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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