Politik

Nach Entscheidung der USA Nato beginnt Rückzug aus Afghanistan

Seit knapp zwei Jahrzehnten sind Soldaten aus Deutschland und anderen Nato-Staaten in Afghanistan, um dem Land die Chance auf eine Zukunft ohne Terror und Gewalt zu geben. Jetzt treffen die Alliierten eine Entscheidung, die unabsehbare Konsequenzen hat.

Nach der Ankündigung der USA hat auch die Nato den vollständigen Truppenabzug aus Afghanistan offiziell beschlossen. Die Außen- und Verteidigungsminister der 30 Nato-Länder einigte sich nach Angaben des Militärbündnisses darauf, am 1. Mai "geordnet, koordiniert und überlegt" mit dem Truppenabzug zu beginnen. Alle Nato-Truppen sollen Afghanistan demnach "innerhalb weniger Monate" verlassen.

"Der Abzug unserer Truppen bedeutet nicht, unsere Beziehungen zu Afghanistan zu beenden", heißt in einer Erklärung der Mitgliedstaaten. Man werde dem Land, seinem Volk und seinen Institutionen auch in Zukunft bei der Förderung der Sicherheit und der Wahrung der Errungenschaften der vergangenen 20 Jahre zur Seite stehen. Die Abzugsentscheidung sei lediglich der "Anfang eines neuen Kapitels".

US-Präsident Joe Biden hatte zuvor ankündigen lassen, dass die USA als größter Truppensteller in dem Krisenstaat ihre Soldaten nach 20 Jahren zum 11. September nach Hause holen - dem 20. Jahrestag der Terroranschläge von New York und Washington. Für die Partner wäre eine Fortführung des Einsatzes deswegen nur noch mit erheblichen Zusatzkosten und Risiken möglich gewesen.

Zurzeit sind noch etwa 10.000 reguläre Soldaten aus Nato-Ländern und Partnernationen in Afghanistan. Sie sollen die demokratisch gewählte Regierung durch die Ausbildung und Beratung von Sicherheitskräften in ihrem Kampf gegen islamistische Extremisten wie die Taliban unterstützen. Deutschland hat zurzeit rund 1100 Soldaten vor Ort und ist damit der zweitgrößte Truppensteller nach den USA.

"Wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus"

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte bereits vor der Nato-Vidoekonferenz klar gemacht, dass der Abzug der US-Soldaten zwingend den Abzug der Bundeswehr nach sich zieht. "Wir haben immer gesagt: Wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus", sagte die CDU-Politikerin im ARD.

Mit der Entscheidung steht für die Bundeswehr der verlustreichste Einsatz ihrer Geschichte vor dem Ende. 59 deutsche Soldaten ließen in Afghanistan ihr Leben, von ihnen wurden 35 in Gefechten oder bei Anschlägen getötet. Afghanistan ist zudem der zweitlängste Auslandseinsatz der Bundeswehr nach der Kosovo-Mission, die bereits 1999 begann.

Mit Spannung wird nun erwartet, welche Konsequenzen die Abzugsentscheidung für die laufenden Friedensverhandlungen der afghanischen Regierung mit den militant-islamistischen Taliban hat. Als ein Risiko wird gesehen, dass die Taliban kurz nach einem Truppenabzug mit Waffengewalt die Macht übernehmen könnten. Für die junge Demokratie in Afghanistan und Fortschritte bei Frauenrechten oder Medienfreiheit dürfte eine solche Entwicklung der Todesstoß sein.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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