Politik

Sorge um GrönlandNato will Trump mit Arktis-Einsatz Wind aus den Segeln nehmen

09.01.2026, 20:45 Uhr
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Dänische Streitkräfte nehmen an einer Übung mit Hunderten von Soldaten aus mehreren europäischen Nato-Mitgliedsstaaten im Arktischen Ozean teil (Archivbild). (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Deutschland, Frankreich und Großbritannien bemühen sich darum, den Streit um Grönland zu beruhigen. US-Präsident Trump soll mit einer verstärkten Nato-Präsenz in der Arktis besänftigt werden. Allerdings ist unklar, ob es den USA wirklich nur um sicherheitspolitische Aspekte geht.

Mehrere Nato-Staaten werben angesichts der jüngsten Äußerungen der US-Regierung zu Grönland für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der Arktis. Nach Angaben von Diplomaten sieht ein Vorschlag vor, einen Überwachungseinsatz mit dem Namen "Arctic Sentry" (deutsch etwa: Wächter der Arktis) zu starten. Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann.

Über den Vorschlag wurde den Angaben zufolge unter anderem bei einer Sitzung der ständigen Vertreter der Bündnisstaaten in Brüssel gesprochen. Der britische Premierminister Keir Starmer ließ mitteilen, er habe sich in einem Telefonat mit Bundeskanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron für eine verstärkte Nato-Präsenz im hohen Norden ausgesprochen. Das Bündnis müsse in der Region stärker auftreten, um Gegner wie Russland abzuschrecken, sagte Starmer einer Sprecherin zufolge.

Ob der Verstoß von Ländern wie Großbritannien Aussichten auf Erfolg hat, ist unklar. Grund ist, dass Nato-Einsätze nur gestartet werden können, wenn alle Alliierten zustimmen. Dabei stellt sich vor allem die Frage, ob es den USA bei ihrem Interesse an der offiziell zu Dänemark gehörenden Insel Grönland vielleicht vor allem um deren Rohstoffreichtum geht. In diesem Fall dürfte ein neuer Nato-Einsatz die Grönland-Debatte nicht beenden.

Idee ist nicht neu

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt wieder mehrfach deutlich gemacht, dass er die größte Insel der Erde unter Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen will. Dabei verwies er auf deren große strategische Bedeutung und eine zuletzt große Präsenz von russischen und chinesischen Schiffen in der Region.

Für Aufsehen und Beunruhigung sorgt Trumps Äußerungen vor allem, weil er bislang auch militärischen und wirtschaftlichen Zwang nicht ausschloss, um Kontrolle über Grönland erlangen. Die Insel ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.

Informelle Gespräche über eine Ausweitung der Nato-Präsenz in der Arktis gab es bereits vor einem Jahr. Basis könnten bereits 2023 verabschiedete neue Verteidigungspläne sein. Diese als geheim eingestuften Dokumente sehen ohnehin eine Verstärkung der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten auch im hohen Norden vor.

Brisante Debatte

Die USA betreiben schon heute auf Basis von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf Grönland. Diese unterstützt unter anderem Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Darüber hinaus sind auch dänische Streitkräfte präsent - vor allem über das Arktische Kommando in Nuuk. Nach den Gesprächen der Vertreter der Bündnisstaaten in Brüssel soll es nun erst einmal einen Bericht zur aktuellen Lage geben.

Für die Nato ist die Grönland-Debatte höchst brisant. Einerseits muss das Bündnis um seine Glaubwürdigkeit fürchten, wenn ein führendes Mitglied auf einmal androht, sich durch Zwangsanwendung Gebiete eines anderen Staates einzuverleiben - vor allem auch mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas Ansprüche auf Taiwan. Andererseits könnte es das Ende der Nato bedeuten, wenn die USA im Streit über ein solches Thema aus dem Bündnis austreten würden. Denn die Abschreckung der Nato beruht vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der Stärke der konventionellen Streitkräfte der USA.

Quelle: ntv.de, dsc/dpa

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