Politik

"Sicherheitsgipfel" bei ObamaNeue Erkenntnisse zu Detroit-Bomber

05.01.2010, 07:29 Uhr

Der US-Präsident gerät nach dem vereitelten Flugzeuganschlag innenpolitisch unter Druck - auch nach Ansicht Obamas hätte der Attentäter niemals ein US-Flugzeug betreten dürfen. Der Attentäter brachte den Sprengstoff wahrscheinlich aus Nigeria mit.

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Unter Druck: Obama will mit dem Gipfel im Weißen Haus seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. (Foto: dpa)

Der verhinderte Detroit-Bomber hat den Plastiksprengstoff in seiner Unterhose nach Überzeugung von Ermittlern aus Nigeria mitgebracht und nicht erst in Amsterdam bekommen. Das habe unter anderem die Auswertung von rund 200 Stunden Bildmaterial verschiedenster Überwachungskameras auf dem Amsterdamer Airport Schiphol ergeben, teilte die niederländische Staatsanwaltschaft mit.

Es könne ausgeschlossen werden, dass der Nigerianer, der am ersten Weihnachtsfeiertag versuchte, ein US-Passagierflugzeug beim Anflug auf Detroit zum Absturz zu bringen, den Sprengstoff von Kumpanen in Schiphol bekam. Der 23-jährige Umar Farouk Abdulmutallab habe sich nach der Ankunft mit einer Maschine der niederländischen Gesellschaft KLM etwa eine Stunde im Transitbereich von Schiphol aufgehalten, erklärten Ermittler. Bevor er an Bord der US-Maschine gelassen wurde, habe er die herkömmliche Personenkontrolle passiert, ohne dass der Sprengstoff entdeckt wurde.

Niederländische Spezialisten untersuchen noch den beschlagnahmten Sitz des Nigerianers in der KLM-Maschine auf eventuelle Mikro-Spuren des Sprengstoffs. Zudem werden noch Personen vernommen, die mit dem Attentäter seit dem Einchecken in Nigeria Kontakt hatten - darunter Passagiere, aber auch Mitarbeiter der Personenkontrolle am Airport in Lagos.

"Sicherheitsgipfel" im Weißen Haus

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John Brennan: Obamas Berater in Sachen Terror ist um Erklärungen und Aufklärung bemüht. (Foto: Reuters)

Am Abend nahm Präsident Barack Obama die Chefs seiner Geheimdienste und Sicherheitsbehörden ins Kreuzverhör. Bei einem "Sicherheitsgipfel" im Weißen Haus wollte Obama vor allem Konsequenzen aus den verheerenden Pannen und Sicherheitslücken im Vorfeld der Beinahe-Katastrophe ziehen. Zu dem Treffen in den abhörsicheren Räumen des Weißen Hauses waren unter anderen CIA-Direktor Leon Panetta, der Chef der Nationalen Nachrichtendienste, Dennis Blair, FBI-Direktor Robert Mueller sowie Obamas Sicherheitsberater James Jones und sein Terrorismus-Berater John Brennan geladen. Zu dem Kreis gehörte auch Verteidigungsminister Robert Gates, Heimatschutz- Ministerin Janet Napolitano und Außenministerin Hillary Clinton.

"Das System hat auf desaströse Weise versagt", sagte Obama nach dem Treffen. Dass der mutmaßliche Attentäter überhaupt soweit gekommen sei und nicht an seinem Flug gehindert wurde, habe nicht daran gelegen, dass es keine Informationen gegeben habe, "sondern, dass diese Informationen nicht weitergegeben wurden", erklärte der sichtlich verärgerte US-Präsident nach dem Sicherheitsgipfel vor Journalisten. Seine Verantwortung sei es nun, den Ursachen dieser Pannen nachzugehen. Obama kündigte eine Überarbeitung für das System der "Roten Listen" für Terrorverdächtige an.

Listenwirrwarr

Obama hatte zuvor bereits kritisiert, Abdulmutallab hätte nach den vorliegenden Hinweisen niemals ein US-Flugzeug betreten dürfen. Unter anderem hatte der Vater des Mannes die US-Botschaft in Nigeria und den Geheimdienst CIA vor der islamistischen Radikalisierung seines Sohnes gewarnt. Laut US-Medien handelte es sich um mehrere Warnungen: Der Vater sei mehrmals persönlich in die Botschaft gekommen, habe angerufen und Briefe geschrieben.

Dennoch seien die Warnungen eher wie Routinehinweise behandelt worden, hieß es. So sei der junge Nigerianer lediglich auf eine allgemeine Rote Liste gekommen, auf der die Namen von über einer halben Million Verdächtiger stehen. Er sei aber nicht auf die "No- Fly-Liste" gesetzt worden, was verhindert hätte, dass er in Amsterdam eine US-Maschine in Richtung Detroit bestieg. Nach dem vereitelten Anschlag von Detroit überprüfen die USA sämtliche Listen mit Namen von Terrorverdächtigen. Wie ein Sprecher des Weißen Hauses mitteilte, werden alle Beobachtungslisten kontrolliert, auf denen Verdächtige vermerkt sind, die nicht an Bord eines US-Flugzeuges steigen dürfen. Es sei möglich, dass "tausende Namen" von den Listen entfernt oder auf andere Listen übertragen worden seien.

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Die Kontrollen an den US-Flughäfen wurden bereits verschärft - weitere Maßnahmen könnten folgen. (Foto: AP)

Der Abgleich der Datenbanken führte zum Entzug "mehrerer" Einreisegenehmigungen in die USA. Die genaue Zahl der dabei zurückgezogenen Visa nannte ein Außenamtssprecher nicht. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 haben die USA nach Regierungsangaben rund 1700 Visa von Terrorverdächtigen annulliert.

Obama hatte selbst das Al-Kaida-Netzwerk im Jemen für den Anschlag verantwortlich gemacht. Dort sei der Nigerianer ausgebildet worden, dort habe er Instruktionen für den Anschlag sowie den Sprengstoff bekommen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderte der Präsident. Clinton nannte die Lage im Jemen unterdessen eine Bedrohung für die ganze Welt.

Quelle: sba/AFP/dpa/rts