Politik
Freitag, 12. September 2008

Annäherung über Ortsschilder: Neue Normalität

Als erste schlesische Gemeinde hat Radlow (Radlau) im Südwesten Polens deutsch-polnische Ortsschilder aufgestellt. Der Gemeindevorsteher Wladyslaw Kierat und der Chef der deutschen Minderheit in Oppeln (Opole), Norbert Rasch, enthüllten die grünen Tafeln mit dem zweisprachigen Ortsnamen. Deutsche Bezeichnung gehöre zur Geschichte dieses Ortes, sagte Kierat. "Wir stellen die historische Identität dieser Region wieder her und handeln damit im Geiste des 21. Jahrhunderts", betonte der 44-jährige Pole.

Seine Gemeinde hatte vom Warschauer Innenministerium als erste in Polen die Genehmigung für die Verwendung deutscher Bezeichnung erhalten. Die Veranstaltung in der Gemeinde Radlau war als feierliche Premiere der deutsch-polnischen Ortsschilder geplant gewesen. Allerdings hatte das kleine schlesische 300-Seelendorf Lubowice (Lubowitz), Geburtsort des deutschen Dichters Joseph von Eichendorff (1788-1857), schon vor einer Woche erste Tafeln aufgestellt.

Polens Vize-Innenminister Tomasz Siemoniak schrieb in einem Brief an die Teilnehmer, die Einführung der deutschen Namen bestätige die "multikulturelle Vergangenheit" des Oppelner Schlesiens. Der langjährige Vertreter der deutschen Minderheit im polnischen Parlament, Heinrich Kroll, sprach vom "neuen Kapitel" in den Beziehungen zwischen Deutschen und Polen.

Polen setzt damit ein 2005 verabschiedetes Gesetz um, mit dem die Rechte der nationalen Minderheiten erweitert worden waren. In Gemeinden, in denen der Minderheitenanteil mindestens 20 Prozent beträgt, dürfen demnach Deutsch oder andere Regionalsprachen als zweite Amtssprache sowie deutsche Ortsbezeichnungen eingeführt werden. Bislang haben sich acht Gemeinden mit deutscher Minderheit beim Innenministerium registrieren lassen, um künftig neben dem polnischen auch den deutsche Namen zu führen. 16 Gemeinden wollen Deutsch als zweite Amtssprache einführen. Die Zahl der Deutschstämmigen in Polen wird auf 300.000 geschätzt. Die meisten von ihnen leben in der Woiwodschaft Opolskie (Oppeln).

Als erste Minderheit hatten die Kaschuben im Juli dieses Jahres zweisprachige Ortsschilder aufgestellt. Auch in Nordostpolen lebende Litauer bemühen sich um Schilder in ihrer Sprache.

Quelle: n-tv.de