Politik

Wikileaks-Gründer "manipulierend" "New York Times" geißelt Assange

Die Schlammschlacht um die Enthüllungs-Plattform Wikileaks und ihren Gründer Assange geht weiter, wegen Vergewaltigungsvorwürfen, aber auch durch Zoff mit vermeintlichen Medien-Partnern. Der Buchmarkt ist entzückt. Die Konkurrenzplattform OpenLeaks geht online.

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Julian Assange

(Foto: dpa)

Die "New York Times", einst von Julian Assange als einer von wenigen Medienpartnern weltweit auserkoren, hat ein Buch angekündigt, das mit Assange scharf ins Gericht geht. "Open Secrets: Wikileaks, War and American Diplomacy" werde ab Montag über die wichtigsten Internet-Buchhändler erhältlich sein. In seinem Vorwort  beschreibt Chefredakteur Bill Keller die stürmische Beziehung zu dem Australier, der "einem Stieg-Larsson-Thriller entstammen könnte".

"Quelle, die eigene Ziele verfolgt"

Die Journalisten, die mit ihm zu tun hatten, hätten Assange niemals als "Partner oder Mitarbeiter" angesehen, sondern als reine "Quelle", die ihre eigenen Ziele verfolge.

Keller bezeichnete Assange als "schwer zu fassen, manipulierend und  unberechenbar". Seine Beziehung zur NYT sei zunehmend  "feindselig" gewesen, zum Schluss habe er das Blatt sogar von  weiteren Veröffentlichungen ausschließen wollen.

"Arrogant,  dünnhäutig, verschwörerisch"

Reporter, die mit  ihm die Dokumente durchgingen, hätten ihn als "schlau, gebildet und  technologisch ungemein versiert" erlebt, aber auch als "arrogant,  dünnhäutig, verschwörerisch und seltsam leichtgläubig". Assange  habe niemals Geld verlangt und nie verraten, wer die Dokumente zum  Irak- und Afghanistankrieg sowie die diplomatischen Depeschen  weitergegeben habe, versicherte Keller.

Wikileaks lässt an der angekündigten Publikation der New York Times kein gutes Haar.

Wikileaks lässt an der angekündigten Publikation der New York Times kein gutes Haar.

In einer ersten Reaktion über Twitter, dem Internetdienst für Kurzbotschaften, bezeichnete Wikileaks Kellers Ausführungen als  "schwarzen Tag für den US-Journalismus". Mit dem "Geschmiere" habe  die "New York Times" ohne Rücksicht auf die Fakten einmal mehr nur "sich selbst gedient".

"Inspirierender Gesprächspartner"

Nicht annähernd so zerrüttet scheint dagegen das Verhältnis zwischen Wikileaks und dem deutschen Medienpartner "Spiegel". Ein heute vorgestelltes Buch war Wikileaks jedenfalls keine Schmähkritik wert: Staatsfeind Wikileaks von Marcel Rosenbach und Holger Stark (DVA / Random House, die wie n-tv zu Bertelsmann gehören) geht mit Assange aber nach erster Durchsicht auch nicht ins Gericht.

Staatsfeind WikiLeaks

Die Autoren, die den Wikileaks-Gründer seit Sommer 2010 mehrfach getroffen und mit ihm gechattet haben, betonen im Vorwort, sie hätten ihn "anders erlebt, als er oft dargestellt wird und zuweilen auftritt: nicht arrogant, nicht unfair, nicht verletzend, sondern als einen außergewöhnlichen und inspirierenden Gesprächspartner".

Man darf gespannt sein, wie Assange in einer weiteren Publikation abschneidet: "Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt" des deutschen Daniel Domscheit-Berg, der bis vergangenen Sommer eines von drei öffentlich bekannten Gesichtern von Wikileaks war, die Organisation danach verließ und inzwischen ein Konkurrenzangebot für "Whistleblower" aufgebaut hat. OpenLeaks ist seit wenigen Stunden online.

Ging nach einem Datenleck Hals über Kopf online: Wikileaks-Konkurrent OpenLeaks des deutschen Daniel Domscheit-Berg

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Ironie der Geschichte: Nachdem der Start von OpenLeaks mehrfach verschoben worden war, wurde die neue Plattform selbst das Opfer eines Datenlecks. Design-Entwürfe wurden von Unbekannten im Internet publiziert - und OpenLeaks sah sich gezwungen, die erst halb fertiggestellte Seite Hals über Kopf ins Netz zu stellen.

Quelle: n-tv.de, mit AFP

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