Politik

Hungerkatastrophe befördert Nooke prangert Landkauf an

Zwar wird die Hungerkatastrophe in Ostafrika von einer Dürre ausgelöst, doch der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung macht auch China Vorwürfe. Die Landkäufe etwa in Äthiopien dienten nur einer kleinen Elite, so Nooke. Gleichzeitig würde Bauern die Lebensgrundlage entzogen. Derweil erreichen die ersten Hilfsflugzeuge Mogadischu.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Afrika, Günter Nooke, sieht auch in den Die Gier nach fremdem Land eine Ursache der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika. In Äthiopien bestehe beispielsweise der Verdacht, dass der Landverkauf für eine kleine Elite sehr attraktiv sei, sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Rundschau". Der breiten Bevölkerung wäre jedoch mehr geholfen, wenn sich die dortige Regierung um den Aufbau besserer eigener landwirtschaftlicher Produktionsstrukturen kümmern würde. "Die Katastrophe ist auch menschengemacht", fügte der Politiker hinzu.

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Mihag Gedi Farah ist sieben Monate alt und wiegt 3,4 Kilo. Das Kind wird im kenianischen Flüchtlingslager Dadaab behandelt.

(Foto: AP)

Nachträglich trat Nooke dem Eindruck entgegen, er habe damit China, das viel Land in Afrika aufkauft, eine Mitschuld an der Hungerkatastrophe gegeben. Für die Entscheidungen zum Landverkauf seien die jeweiligen Regierungen verantwortlich. Und solche Entscheidungen könnten zu großen sozialen Konflikten in Afrika führen, wenn dadurch Kleinbauern der Boden und damit ihre Lebensgrundlage entzogen werde. Das Engagement Chinas habe vielleicht sogar einen Vorteil, sagte Nooke. "Es wird sich zeigen, wie industrielle Landwirtschaft in Afrika effektiv betrieben werden kann".

Grundsätzlich habe Afrika gute Bedingungen für eine ausreichende Lebensmittelversorgung, sagte Nooke der Zeitung. Oft seien zwei bis drei Ernten möglich. Allen Experten sei aber klar, dass die traditionelle Landwirtschaft durch Kleinbauern nicht mehr ausreiche. Die Flucht in die Städte stelle ein zusätzliches Problem dar. Zum anderen zeige die Katastrophe, wie wichtig Bewässerungssysteme, eine richtige Lagerhaltung oder der Einsatz von dürreresistenten Pflanzen seien. Da das kostspielig sei, müsse man eine industriell betriebene Landwirtschaft aufbauen. Das wolle Deutschland international stärker fördern.

Kenia soll Lager freigeben

Die Deutsche Welthungerhilfe forderte Kenia auf, endlich ein zweites, bereits fertiggestelltes Flüchtlingslager freizugeben. Das Leid der Menschen in den Lagern rund um das kenianische Dorf Dadaab könnte durch die Öffnung dieses zweiten Camps in der Nähe gelindert werden. "Das Lager ist fertig. Da stehen Häuser und Zelte drauf, Wasseranlagen, Trinkwasser. Alles ist hervorragend vorbereitet", sagte der Programmleiter der Deutschen Welthungerhilfe für diese ostafrikanische Region, Mathias Mogge. Die kenianische Regierung habe das Lager aber wegen Sicherheitsbedenken noch nicht freigegeben.

Mit diesem zweiten Lager könnte nach Einschätzung Mogges der Zustrom von täglich bis zu 1400 neuen Flüchtlingen aus Somalia entzerrt werden. Die Menschen könnten dann schneller als bisher registriert und mit Hilfsgütern versorgt werden. Es hake derzeit an der kenianischen Regierung, aber auch wegen einer gewissen Überforderung der Hilfsorganisationen in dem Lager angesichts des großen Flüchtlingsandrangs. "Es sind einfach so viele Neuankömmlinge, dass sie nicht schnell genug registriert werden können", sagte Mogge.

Zehn Tonnen Lebensmittel

Die Vereinten Nationen richteten inzwischen eine Luftbrücke zur Versorgung der hungerleidenden Menschen in Somalia ein. Zuvor hatte sich der Start in Nairobi wegen bürokratischer Hindernisse am kenianischen Zoll immer wieder verzögert. Am ersten Tag wurden zehn Tonnen Lebensmittel nach Mogadischu geflogen, die speziell für unterernährte Kinder bestimmt sind, die jünger als fünf Jahre sind. Nach Angaben einer Sprecherin des UN-Welternährungsprogramms WFP reicht die Lieferung aus, um 3500 Kinder einen Monat lang zu versorgen. 70 weitere Tonnen stünden in Kenia bereit und sollen in den kommenden Tagen nach Somalia geflogen werden.

Die Luftbrücke soll auch auf andere Landesteile ausgeweitet werden. Weitere Flugzeuge mit Hilfsgütern speziell für unterernährte Kinder könnten schon bald in die Grenzregion Dollo geflogen werden, sagte eine Mitarbeiterin des Welternährungsprogramms (WFP). Von dort sollen die Nahrungsmittel in andere somalische Gebiete transportiert werden, die besonders von der Dürre betroffen sind.

Wegen der katastrophalen Dürre und massiven Ernteausfällen am Horn von Afrika haben die UN zwei Regionen im von Anarchie und Gewalt geplagten Somalia zu Hungergebieten erklärt. Mindestens zwölf Millionen Menschen sind von der Krise betroffen, 3,7 Millionen akut vom Hungertod bedroht. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF sind in Somalia, Äthiopien, Kenia, Uganda und Dschibuti bereits mehr als 2,3 Millionen Kinder akut unterernährt.

Kämpfe in Mogadischu

Nur einen Tag nach dem Start einer Luftbrücke wurden bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und islamistischen Rebellen in Mogadischu mehrere Zivilisten verletzt . Genaue Opferzahlen lagen zunächst nicht vor, wie der Chef der Notfallärzte in der somalischen Hauptstadt, Ali Muse, sagte.

Die heftigen Gefechte mit Maschinengewehr- und Artilleriefeuer begannen nach Angaben von Augenzeugen, als Truppen der Afrikanischen Union (AU), die die regierungstreuen Truppen unterstützen, mit Panzern in ein bislang von den Rebellen kontrolliertes Gebiet eindrangen. In Mogadischu liefern sich Anhänger der radikalislamischen Shebab-Miliz immer wieder Kämpfe mit regierungstreuen Truppen und Soldaten der AU. Dabei werden auch häufig Zivilisten getötet.

Die Einschätzung der UNO, dass in zwei Provinzen in Südsomalia eine akute Hungersnot herrsche, wies der Sprecher der Miliz als Propaganda zurück. Die Dürre sei nur auf einen Teil des Landes beschränkt und mit Beginn der Regenzeit wieder vorbei. Die "ausländischen Feinde" nutzten die Dürrekatastrophe als Vorwand, um die Shebab-Miliz und den Islam insgesamt zu schwächen.

 

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Quelle: n-tv.de, AFP/rts

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