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"Schokoladenbaron" der Ukraine Oligarch Poroschenko will Präsident werden

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Petro Poroschenko.

ASSOCIATED PRESS

Er gilt als Selfmade-Milliardär und führt zwei Monate vor der Präsidentenwahl in der Ukraine in den Umfragen deutlich: der Oligarch Poroschenko. Wer ist dieser Mann, den sie in seiner Heimat "Schokoladenbaron" nennen?

Er besitzt ein Süßwarenimperium, ist steinreich und machte sich als Finanzier der ukrainischen Revolution einen Namen. Jetzt will der Oligarch Petro Poroschenko Präsident der Ukraine werden - wobei er Umfragen zufolge beste Chancen auf das Amt hat. Sollte er bei der Wahl am 25. Mai gewinnen, dürfte der eigenwillige Milliardär im Krimkonflikt mit Russland kaum auf verbale Abrüstung setzen.

Nach dem Verlust der ukrainischen Halbinsel verkündete Poroschenko, er sei "überzeugt, dass eine verantwortungsvolle ukrainische Regierung in der Lage sein wird, die Krim zurückzuholen". Um alle Zweifel auszuräumen, schob er hinterher: "Die Krim wird immer ukrainisch sein." Seinen Wählern versprach er "eine neue Armee, modern und effizient, die die Souveränität und Integrität der Ukraine verteidigt".

Als einziger Oligarch des Landes hatte sich Poroschenko offen hinter die proeuropäische Maidan-Bewegung gestellt. Und er war ihr wichtigster Geldgeber. Einer Schätzung des US-Magazins "Forbes" zufolge beläuft sich sein Vermögen auf umgerechnet rund eine Milliarde Euro. Zudem war er der einzige Politiker, der persönlich auf die Krim flog, um mit den dort aufmarschierten prorussischen Kräften zu verhandeln. Letztlich wurde er zwar von aufgebrachten Demonstranten unverrichteter Dinge heimgeschickt, das Signal aber blieb.

Der 48-jährige Volkswirt und verheiratete Vater von vier Kindern machte sein Vermögen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren. Anders als die meisten Oligarchen der Ukraine, riss er sich in dieser Zeit nicht billig Staatseigentum unter den Nagel. Er begann mit dem Verkauf von Kakaobohnen, übernahm schrittweise mehrere Süßwarenfabriken und gründete schließlich den Branchengiganten Roschen, der nach Firmenangaben 450.000 Tonnen Süßwaren pro Jahr herstellt - daher rührt sein Spitzname "Schokoladenbaron".

Klitschko verzichtet

Heute gehört Poroschenko zu den zehn reichsten Ukrainern. Ihm gehören auch Automobil- und Busfabriken, eine Werft und nicht zuletzt ein oppositionsnaher Fernsehsender, der live von den Protesten auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt Kiew berichtete. Diese trieben den russlandtreuen Staatschef Viktor Janukowitsch schließlich aus jenem Amt, das Poroschenko nun anstrebt.

Den Schritt in die Politik unternahm Poroschenko im Jahr 1998 als Abgeordneter im Windschatten des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Zwei Jahre später gründete er mit Gleichgesinnten die Partei der Regionen, der auch Janukowitsch angehört. Bald darauf wechselte Poroschenko jedoch die Seiten und tat sich mit seinem Freund Viktor Juschtschenko zusammen, der im Jahr 2004 zum Helden der sogenannten orangenen Revolution und ukrainischer Staatschef wurde.

Unter Juschtschenko war Poroschenko in den Jahren 2009 und 2010 Außenminister, blieb aber politisch bemerkenswert flexibel: Als in Kiew wieder Janukowitsch ans Ruder gelangte, übernahm Poroschenko im Jahr 2012 kurzzeitig das Amt des Wirtschaftsministers. Wegen seiner Regierungserfahrung und guten Kontakte zur Geschäftswelt halten ihn jetzt viele für fähig, den freien Fall der ukrainischen Wirtschaft aufzuhalten und das tief gespaltene Land zu einen.

Einen Konkurrenten ist Poroschenko bereits los: Boxweltmeister Vitali Klitschko erklärte am Samstag seinen Verzicht auf die Präsidentschaftskandidatur und unterstützt nun den ungleich charismatischeren "Schokoladenbaron". Dadurch wiederum scheint auch die Kandidatur der früheren Regierungschefin Julia Timoschenko nahezu aussichtslos.

Wie Timoschenko gilt auch Poroschenko als "talentierter Redner", der zudem "innerhalb der Protestbewegung einen guten Ruf genießt", wie Andreas Umland von der Mogyla-Akademie in Kiew erklärt. "Die ukrainischen Wähler sehnen sich nach frischen Gesichtern", meint der Politologe. Der "Schokoladenbaron" scheint trotz seiner vielen Jahre in der Politik in den Augen zahlreicher Wähler dieses Kriterium zu erfüllen.

Quelle: n-tv.de, jga/AFP

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