Politik

Massive Kritik an Birma Opfer weiter ohne Hilfe

Vier Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm sind in Birma nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen noch immer unzählige Menschen ohne Hilfe. "Wir kommen regelmäßig in Gebiete, in denen die Menschen seit der Katastrophe noch keine Lebensmittel oder medizinische Versorgung erhalten haben", sagte die stellvertretende Landeskoordinatorin der Organisation in Rangun, Juli Niebuhr, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Hilfsgüter erreichen die Menschen teilweise einfach nicht."

Von diesem Problem seien besonders viele Dörfer betroffen, die durch den Zyklon "Nargis" oder die anschließende Flutwelle stark zerstört wurden, sagte Niebuhr. "Dort sind die Menschen oft in Gruppen in Nachbardörfer geflüchtet und leben jetzt in Klöstern oder anderen weniger zerstörten Häusern."

Noch keine Seuchen

Seuchen sind den Angaben zufolge bis jetzt glücklicherweise noch nicht ausgebrochen. "Wir versorgen aber viele Menschen, die bei der Katastrophe verletzt und bislang noch nicht behandelt wurden", sagte Niebuhr. Außerdem litten viele unter den psychischen Folgen. "Sie sind gestresst, haben hohen Blutdruck und andere körperliche Beschwerden, die auf den Schock und die Belastungen der vergangenen Wochen zurückzuführen sind."

Hinzu komme, dass viele Erwachsene und Kinder unter Durchfall, Fieber und Malaria litten. "Das ist für diese Region bis zu einem gewissen Grad auch etwas Normales - jetzt aber verstärken der Regen und die mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln das Erkrankungsrisiko enorm", sagte die Helferin. "Die Bevölkerung ist insgesamt sehr geschwächt."

Daher sei es weiterhin wichtig, dass Hilfsgüter mit Lebensmitteln und Planen für Notunterkünfte auch zu den Menschen gelangten. "Erst dann kann man sich über Langzeitmaßnahmen Gedanken machen", sagte Niebuhr. "Viele der Dörfer sind so stark zerstört, dass man davon ausgehen kann, dass viele Menschen noch lange Hilfe und Unterstützung benötigen werden: die Häuser sind kaputt, die Fischerboote weggespült und die Felder versalzen."

Rangun: Hilfe nur ohne Bedingungen

Die Militärjunta von Birma bekräftigte, dass Hilfe für die Zyklonopfer nur akzeptiert wird, wenn keine Bedingungen daran geknüpft sind. "Wir freuen uns über Hilfe, die ohne Politisierung und Vorbedingungen kommt", sagte der stellvertretende Verteidigungsminister, Generalmajor Aye Myint, in Singapur. Er nahm dort am "Shangri-La-Dialog", einem Sicherheitsforum für Verteidigungsminister und hohe Beamte, teil. "Wir tun unser Bestes, was Hilfe, Rückführung und Rehabilitation angeht", so Aye Myint.

Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen kritisieren vier Wochen nach dem Zyklon mit 134.000 Toten und Vermissten immer noch die unzureichende Hilfe für die Opfer. Nach langem Widerstand dürfen ausländische Helfer zwar jetzt ins Katastrophengebiet, doch müssen Fahrten immer noch aufwendig beantragt werden.

In zerstörte Dörfer zurückgeschickt

"Die Rückführung (der Opfer in ihre Dörfer) und die Rehabilitation werden zügig erfolgen", versprach der stellvertretende Verteidigungsminister. Helfer haben besorgt berichtet, dass viele Zyklon-Opfer bereits in ihre völlig zerstörten Dörfer zurückgeschickt worden sind. Viele sind völlig abgelegen und nur nach stundenlangen Bootsfahrten zu erreichen. Die Vereinten Nationen haben Birma davor gewarnt, die Menschen ohne angemessene Versorgung vorzeitig zurückzuschicken. Insgesamt sind schätzungsweise 2,4 Millionen Menschen von der Naturkatastrophe betroffen. Zehntausende leben in Behelfsunterkünften, nachdem sie durch die Katastrophe alles verloren haben.

Gates: Zehntausende sterben

Wegen der Ablehnung internationaler Hilfe durch die Militärjunta sind nach Ansicht von US-Verteidigungsminister Robert Gates bereits zehntausende Menschen ums Leben gekommen. Die Militärregierung habe sich taub gestellt für Hilfsangebote der internationalen Gemeinschaft, kritisierte Gates bei der "Shangri-La"-Konferenz in Singapur. Allein die USA hätten 15 Mal den Versuch unternommen, die Militärregierung zur Annahme von mehr Hilfe zu bewegen.

Mit Frachtmaschinen des US-Militärs wurden zwar mehrmals Hilfsgüter nach Rangun gebracht. Einen direkten Einsatz von US-Schiffen und Hubschraubern in den am schlimmsten betroffenen Gebieten lehnten die birmanischen Generäle jedoch ab. Beobachtern zufolge befürchtet die Junta, ein zu massiver internationaler Einsatz könne ihre Machtposition im Land in Gefahr bringen.

"Kriminelle Unterlassung"

Gates drohte an, vier Marineschiffe von der Küste Birmas abzuziehen, weil Rangun die Entladung der Hilfsgüter blockiert. Der Abzug sei eine Frage von Tagen. "Es ist sehr deutlich geworden, dass das Regime uns nicht zur Hilfe beitragen lässt." Gates warnte, dass viele weitere Menschen sterben müssten, sollte Birmas Regierung das Land nicht vollständig für Hilfe aus dem Ausland öffnen. Das Verhalten der Militärjunta bezeichnete er als "kriminelle Unterlassung". Birma hatte weltweit für Empörung gesorgt, da es wochenlang die Einreise internationale Helfer ablehnte.

Quelle: n-tv.de

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