Politik

Hundt: Missbrauch von Leiharbeit nur Einzelfälle Opposition: Regierung hat keine Ahnung

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Noch vor einem Jahr gab es in Deutschland mehr als 900.000 Leiharbeiter.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Kanzlerin mochte es kaum glauben, was ihr ein Leiharbeiter schilderte. Auch Arbeitergeber-Präsident Hundt erkennt nur Einzelschicksale. Dagegen meinen Opposition und Gewerkschaften, dass Hunderttausende Leiharbeiter in Deutschland als günstige Arbeitskräfte missbraucht würden.

In der neu aufgeflammten Debatte über teils jahrelange Leiharbeit hat Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt massenhaften Missbrauch bestritten. Missbrauch möge es in Einzelfällen geben, doch "die vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten bieten jede Handhabe, dies zu verhindern", sagte Hundt der "Passauer Neuen Presse".

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt hatte der Bundesregierung "komplette Ahnungslosigkeit" beim Thema Leiharbeit vorgeworfen. Von Einzelfällen könne keine Rede sein. Die Leiharbeit habe mit 908.000 Beschäftigten im Juni 2012 auf Rekordniveau gelegen.

In der ARD-Sendung "Wahlarena" am Montagabend hatte ein Leiharbeiter geschildert, dass er seit zehn Jahren für dieselbe Firma in Leiharbeit beschäftigt sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dazu gesagt: "Ich halte das für einen sehr krassen Fall. (...) Wenn es mehrere Fälle über zehn Jahre gibt, bin ich bereit, mir das anzuschauen." Sie kritisierte, dass die Wirtschaft immer wieder Ausweichmanöver suche.

Betriebsräte können Zustimmung verweigern

Dazu erklärte Hundt, der Einsatz von Zeitarbeitskräften erfolge vorübergehend, um Auftragsspitzen abzudecken. "Mehr als 50 Prozent der Einsatzzeiten sind kürzer als sechs Monate." Göring-Eckardt zufolge diene Leiharbeit "viel zu oft nicht mehr nur zur Abfederung von Auftragsspitzen, sondern als günstige Daueralternative zu Stammbelegschaften." Der designierte IG-Metall-Chef Detlef Wetzel sagte der "Frankfurter Rundschau": "Die Unkenntnis der Bundesregierung über die betriebliche Realität ist erschreckend."

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will im Fall eines Wahlsiegs als Regierungschef Leiharbeit und Werkverträge einschränken: "Es wird Zeit, diesem Missbrauch entgegenzutreten." Im Juli hatte das Bundesarbeitsgericht geurteilt, Betriebsräte könnten ihre Zustimmung zum Einsatz von Leiharbeitern verweigern, wenn dieser auf Dauer angelegt sei.

Quelle: ntv.de, dpa

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