Politik

Datensatz belastet Putins Umfeld "Panama Papers" decken Geheim-Gelder auf

Diese Enthüllungen schlagen rund um den Erdball hohe Wellen: Ein umfangreicher Datensatz rückt Briefkastenfirmen von Politikern und Prominenten aus aller Welt ins Licht der Öffentlichkeit. Spuren führen nicht nur zu Sportlern und Kriminellen, sondern angeblich auch bis in den Kreml.

In einer weltweit konzertierten Aktion haben führende Medien brisante Daten über Finanzgeschäfte international bekannter Persönlichkeiten aufgedeckt. Ein enormes Datenleck habe Geschäfte von knapp 215.000 Briefkastenfirmen offengelegt, berichteten unter anderem der britische "Guardian", die französische "Le Monde", der deutsche NDR und der WDR und Berufung auf einen Datensatz, der der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt worden war.

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Das bislang größte Datenleck im Vergleich zu früheren Enthüllungen: Bei den "Panama Papers" handelt es sich um 2,6 Terabyte an Daten mit etwa 11,5 Millionen enthaltenen Dokumenten.

(Foto: Christoph Wolf)

Wie aus den weltweit zeitgleich gegen 20.00 Uhr deutscher Zeit veröffentlichten Informationen hervorgeht, zeigen die Unterlagen den Medienberichten zufolge, wie Spitzenpolitiker, Sportstars und Kriminelle ihr Vermögen verschleierten. Bereits in den ersten Minuten nach der Veröffentlichung gingen bei Twitter unter dem Stichwort #PanamaPapers Tausende Diskussionsbeiträge ein, die auf einzelne Fundstellen hinweisen.

Politische brisante Hinweise

In dem riesigen Datensatz tauchen nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" die Namen von Milliardären, Politikern, Sportlern, Waffenhändlern, Spionen und Betrügern auf. Unter anderem hätten Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Briefkastenfirmen einrichten lassen.

Enge Vertraute von Putin leiteten den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren unter konspirativen Umständen offenbar mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen. Dabei sollen sie auch viel Geld aus Russland herausgeschafft haben - allen Sanktionen zum Trotz.

Eine wichtige Rolle sollen dabei Mitarbeiter der Bank Rossija gespielt haben. Das Geldhaus aus Sankt Petersburg gilt nach Angaben von Vertretern der US-Regierung als "Putins Bank" und wurde deswegen nach der Krim-Annexion mit Sanktionen belegt. Auch gegen weitere Putin-Vertraute, die in den geleakten Dokumenten im Zusammenhang mit anderen Briefkastenfirmen auftauchen, haben die EU und die USA Sanktionen verhängt. Zu den Anteilseignern der Bank zählt unter anderem auch der Cellist Sergej Roldugin.

Er gilt als eine der Schlüsselfiguren in dem Fall. Der bekannte Musiker war 1985 angeblich Taufpate von Putins ältester Tochter. Er gilt als einer der besten Freunde des russischen Präsidenten und steht im Mittelpunkt eines Netzwerks aus Briefkastenfirmen. Der Name von Putin selbst taucht den Angaben zufolge bei den Briefkastenfirmen nicht auf; der Name von Roldugin werde dagegen etliche Male genannt.

Wie eine solche Finanzkonstruktion funktioniert haben könnte, erläutert die Zeitung an einem Beispiel: Roldugin sei den Unterlagen zufolge Eigentümer beziehungsweise Miteigentümer von drei Briefkastenfirmen gewesen, heißt es im Bericht der "SZ". Zwei davon sind laut den "Panama Papers" eng mit zwei weiteren auf den Britischen Jungferninseln registrierten Briefkastenfirmen verbunden.

Über dieses Firmennetz sollen, den geleakten Dokumenten zufolge, auch mehrere Millionen Dollar an eine russische Firma namens Ozon LLC geflossen sein; diese habe später offenbar das Ski-Resort Igora gekauft, in dem später, im Februar 2013, die pompöse Hochzeit von Putins zweiter Tochter Katerina stattgefunden haben soll.

"Informationsattacke" auf Putin?

Zu den in den "Panama Papers" belegten Finanzströmen wollte sich der Kreml auf Bitte der "SZ" nicht äußern. Stattdessen trat kurz nach dem Eingang der Fragen am vergangenen Montag sein Sprecher Dmitrij Peskow vor russische Journalisten und erklärte, "in einer Verhörmanier verfasste Anfragen" bekommen zu haben.

Wer ist Mossack Fonseca?

Die Enthüllungen stützen sich auf einen Datensatz der Anwaltskanzlei "Mossack Fonseca". Das umfangreiche Material wurde der "Süddeutschen Zeitung" eigenen Angaben zufolge von anonymer Seite zugespielt. Bei der Kanzlei soll es sich um einen der weltgrößten Anbieter und Verwalter von sogenannten Offshore-Firmen handeln.

Sitz von "Mossack Fonseca" ist Panama, gegründet wurde die Kanzlei angeblich von dem Deutschen Jürgen Mossack. Von Panama aus unterstützt die Kanzlei Mandanten unter anderem beim Aufbau von Niederlassungen in Steueroasen. Mithilfe dieser sogenannten Offshore- oder auch Briefkastenfirmen lassen sich Geldströme verschleiern, um sie vor dem Zugriff von Steuerbehörden zu schützen.

Diese seien Teil einer "Informationsattacke". Es werde versucht, die Familie des Präsidenten "informationsseitig zu treffen". Von einer Menge Offshore-Firmen werde die Rede sein, von Unternehmern, die Putin nie persönlich gesehen habe. Peskow vermutete, nicht nur Journalisten würden hinter der "Attacke" stecken, sondern auch "Vertreter von Spezialdiensten und anderen Organisationen". Falls "erlogene Fakten" veröffentlich würden, seien Klagen und Gerichtsverfahren wegen Verleumdung nicht ausgeschlossen, hieß es aus Moskau.

Isländer, Saudis, Assad, Lionel Messi?

Die Enthüllungen rund um sogenannte "Briefkastenfirmen" und "Offshore-Geschäfte" beschränken sich allerdings bei weitem nicht nur auf angebliche Machenschaften russischer Spitzenpolitiker. Poroschenkos Briefkastenfirma zum Beispiel ist laut "SZ" im Jahr 2014 gegründet worden, nur zwei Monate nach seiner Wahl zum Präsidenten der Ukraine.

Auch der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson etwa soll bis Ende 2009 zusammen mit seiner heutigen Ehefrau eine Briefkastenfirma besessen haben, in der unter anderem Anleihen wichtiger isländischer Banken deponiert waren.

Auch international sanktionierte Geschäftsleute wie ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad oder Monarchen wie der König von Saudi-Arabien haben den Unterlagen zufolge Offshore-Firmen genutzt. Neue Vorwürfe gibt es durch das Datenleck laut "Süddeutscher Zeitung" auch gegen den argentinischen Fußballstar Lionel Messi.

Größtes Leak der Geschichte

Die Informationen über die Offshore-Geschäfte wurden der "Süddeutschen Zeitung" von einer anonymen Quelle zugespielt. Dem Blatt zufolge handelt es sich um 2,6 Terabyte an Daten mit etwa 11,5 Millionen enthaltenen Dokumenten. Es sei das größte Datenleck, das es bislang gab. An der Auswertung der Dokumente beteiligten sich etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern. Die Auswertung dauert an. Mit weiteren Veröffentlichungen ist zu rechnen.

Das Leck umfasst E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 214.000 Gesellschaften (die sogenannten Briefkastenfirmen) vor allem in Panama und auf den Britischen Jungferninseln. Benannt wurde der Datensatz nach dem Sitz vieler Firmen in Panama.

Die Briefkastenfirmen wurden offenbar alle von der Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama gegründet. Diese erklärte auf Anfrage, die Kanzlei arbeite seit 40 Jahren ohne jede Beanstandung. "Nie sind wir einer Straftat beschuldigt oder angeklagt worden."

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa