Politik

Truppen Gaddafis in Tunesien Panzer umstellen Misrata

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Libysche Rebellen auf dem Weg nach Misrata.

(Foto: AP)

Rebellen einen libysch-tunesischen Grenzposten zurück. Gaddafis Truppen fliehen daraufhin aus dem eigenen Land. Panzer umstellen derweil die Küstenstadt Misrata. Besonders umkämpft sind deren Hafen und Flughafen. Die EU fordert Gaddafis Truppen zu Gewaltverzicht auf.

Die von der NATO unterstützten libyschen Rebellen und Truppen von Machthaber Muammar al Gaddafi haben weiter erbittert um die Küstenstadt Misrata gekämpft. Die NATO hinderte Gaddafi-Einheiten nach eigenen Angaben daran, im Hafen der Stadt Wasserminen zur Zerstörung von Schiffen auszubringen. Kämpfe an einem Grenzübergang stoppten den Flüchtlingsstrom von Libyen ins benachbarte Tunesien.

"Unsere Schiffe haben Boote abgefangen und darauf transportierte Minen unschädlich gemacht", sagte der britische NATO-Befehlshaber Rob Weighill. Die versuchte Verminung des Hafens zeige erneut die völlige Missachtung internationalen Rechts und den Willen zu Angriffen auf humanitäre Hilfslieferungen. Die Rebellen und eine Reihe von NATO-Luftangriffen hatten die Truppen Gaddafis weitgehend aus dem strategisch wichtigen Misrata im Westen Libyens vertrieben.

Flughafen umkämpft

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Rob Weighill erklärt die Situation.

(Foto: dpa)

Um den Flughafen der Stadt lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen weiter heftige Gefechte. Dort waren zahlreiche Explosionen und anhaltendes Maschinengewehrfeuer zu hören, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Nach Rebellenangaben griffen Panzer indes die seit zwei Monaten belagerte Stadt zeitgleich von Osten, Süden und Westen an. Aus Vororten waren heftige Schusswechsel und Explosionen zu hören.

In der Nacht zum Freitag wurde die Hauptstadt Tripolis etwa 200 Kilometer östlich von Misrata von mindestens fünf Explosionen erschüttert. NATO-Kampfflugzeuge überflogen die Stadt, wie Augenzeugen berichteten. Erstmals beteiligten sich auch zwei italienische Kampfflugzeuge an einem Einsatz gegen Ziele in Libyen. Bei den neuen Kämpfen in Misrata und Tripolis kamen laut verschiedenen Zeugen wieder zahlreiche Menschen ums Leben.

Truppen fliehen nach Tunesien

Heftige Kämpfe lieferten sich Rebellen und regierungstreue Truppen auch an einem libysch-tunesischen Grenzübergang. Die Aufständischen eroberten laut Augenzeugen den Übergang Dehiba zurück. Der Grenzposten war bereits vor einer Woche von Rebellen eingenommen worden, die Truppen von Machthaber Gaddafi hatten ihn am Donnerstag aber wieder zurückerobert. Bei den Kämpfen wurden laut Zeugen etwa zehn Soldaten aus den Reihen der Gaddafi-Truppen getötet.

Gaddafis Truppen flohen auf tunesisches Staatsgebiet. Rund 15 Fahrzeuge seien am Vormittag in die Grenzstadt Dahibah eingefahren, berichtete ein Korrespondent der tunesischen Nachrichtenagentur TAP. Armee und Grenzschützer hätten vergeblich versucht, sie aufzuhalten. Den Berichten zufolge bewarfen Bewohner von Dahibah und libysche Flüchtlinge die Fahrzeuge mit Steinen. Von der tunesische Regierung forderten sie einen besseren Schutz. Zuvor waren auch mehrere Artilleriegeschossen auf tunesischem Boden eingeschlagen. In der Bevölkerung gebe es Panik, hieß es.

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Wut auf Gaddafi: Libysche Flüchtlinge verbrennen eine Flagge ihres Landes.

(Foto: REUTERS)

Die tunesische Regierung protestierte, weil auch auf tunesischem Gebiet gekämpft wurde. In einer Erklärung beklagte das Außenministerium in Tunis eine "Verletzung der territorialen Integrität". In der Erklärung war zudem von "großer Besorgnis" angesichts der "gefährlichen militärischen Eskalation" bei der Ortschaft Wesen am Übergang Dehiba die Rede. Nach Angaben der UNO kam der Flüchtlingsstrom an dem Grenzübergang völlig zum Erliegen.

EU fordert Gewaltverzicht

Die EU reagierte derweil auf Berichte über den angeblichen Einsatz von Streubomben. "Wir fordern die bewaffneten Truppen von Präsident Muammar al Gaddafi auf, Gewalt gegen die zivile Bevölkerung zu unterlassen - ob durch Streubomben oder andere Mittel", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte in der vergangenen Woche gesagt, es gebe Berichte darüber, dass die Truppen Gaddafis solche Bomben möglicherweise gegen das eigene Volk eingesetzt hätten.

Streubomben sind international geächtet. Sie verteilen große Mengen von Sprengkörpern über weite Flächen, Menschen werden wahllos verletzt und getötet. Ein Abkommen aus dem Jahr 2008 verbietet den Vertragsstaaten Gebrauch, Herstellung, Lagerung und Weitergabe dieser Waffen. 108 Staaten, darunter Deutschland, haben sich der Konvention angeschlossen.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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