Politik

Kindesmissbrauch in der Kirche Papst förderte Vertuschung

Der Missbrauchsskandal in der Kirche erreicht nun offenbar auch den ehemaligen Papst Johannes Paul II. Das verstorbene Oberhaupt der Katholiken soll einen Brief abgesegnet haben, in dem die Vertuschung von Pädophilie durch Geistliche begrüßt wird. Unterdessen äußert sich erstmals Papst Benedikt XVI. zum Kindesmissbrauch.

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Was wusste Papst Johannes Paul II. ?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein kolumbianischer Kardinal, der einem französischen Bischof ausdrücklich für die Geheimhaltung eines Missbrauchsfalls gedankt hatte, ist Kritik mit den Worten begegnet, sein Schreiben sei vom damaligen Papst Johannes Paul II. genehmigt gewesen. "Der Heilige Vater erlaubte mir, diesen Brief an alle Bischöfe in der Welt zu schicken und wir stellten ihn auch ins Internet", sagte Dario Castrillón Hoyos laut einem Bericht der spanischen Regionalzeitung "La Verdad".

Hoyos' Brief an den französischen Bischof Pierre Pican aus dem Jahr 2001 war am Donnerstag in Frankreich veröffentlicht worden und hatte dort große Entrüstung ausgelöst. In dem Schreiben beglückwünschte Hoyos Pican zu seiner Entscheidung, einen pädophilen Priester nicht den Behörden zu melden. Pican, Bischof der Diözese Bayeux-Lisieux im Westen Frankreichs, war damals wegen der Vertuschung zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte einen Priester gedeckt, den ein Gericht wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung Minderjähriger wiederum zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt hatte.

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Ungewohnt offene Worte des Papstes im Flugzeug nach Malta.

(Foto: dpa)

"Nachdem ich vom Papst Rat eingeholt hatte, schrieb ich an den Bischof und gratulierte ihm als einem vorbildlichen Vater, der seine Kinder nicht verrät", sagte Hoyos der Zeitung zufolge. Dem Bischof hatte er damals geschrieben: "Sie haben gut gehandelt und ich freue mich über einen Bischofskollegen, der in den Augen der Geschichte und aller anderen Bischöfe auf der Welt das Gefängnis dem Verrat an einem Priesterbruder vorgezogen hat", heißt es in dem Schreiben Hoyos', der von 1996 bis 2006 Präfekt der Kongregation für den Klerus im Vatikan war.

Papst Benedikt: "Verletzt durch unsere Sünden"

Derweil hat sich Papst Benedikt XVI. auf seiner Reise nach Malta zum Skandal geäußert. Die Kirche sei "verletzt durch unsere Sünden", sagte der Pontifex im Flugzeug auf der Reise in die Inselrepublik südlich von Sizilien. Jeder Christ sei dazu aufgerufen, mit seinem Glauben die "zahlreichen Bedrohungen gegen die Heiligkeit des menschlichen Lebens" einzudämmen. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte, bezog sich der Papst damit auf die Pädophilie-Skandale in der Kirche.

Unklar ist, ob Benedikt sich mit maltesischen Missbrauchsopfern treffen wird. "Diese Treffen werden niemals vorher angekündigt, sondern immer erst nachdem sie stattgefunden haben", erklärte Lombardi am Abend in Malta auf einer Pressekonferenz. Italienische Medien hatten zuvor spekuliert, dass Benedikt eventuell mit einer Gruppe Missbrauchsopfer zusammentreffen könnte.

Missbrauchsopfer treffen kirchlichen "Chefanwalt"

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Benedikt XVI. in der Paulus-Grotte.

(Foto: dpa)

Am Vortag hatten zehn Malteser, die in einem Waisenhaus der Insel Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester geworden waren, mitgeteilt, dass sie im kommenden Juni in Rom mit Monsignore Charles Scicluna zusammentreffen werden. Scicluna beschäftigt sich als "Chefanwalt" der Glaubenskongregation mit den Missbrauchsfällen.

Nach seiner Ankunft wurde Papst Benedikt XVI. von Tausenden Maltesern überschwänglich begrüßt. Die erste Reise des Papstes nach Malta stand im Zeichen des 1950. Jahrestags des Schiffbruchs des Apostel Paulus auf der Insel. Unvorhergesehen wie jener Schiffbruch habe auch "das Wort des Evangeliums die Kraft, in unser Leben hereinzubrechen und dessen Lauf zu ändern", sagte Benedikt nach einem stillen Gebet in den Katakomben. Fast leidenschaftlich forderte das katholische Kirchenoberhaupt die Malteser auf, "die spannende Herausforderung der Neuevangelisierung anzunehmen".

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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