Politik
Montag, 11. April 2011

Links und rechts in Stichwahl: Peruaner wählen extrem

Linksnationalist Humala verfehlt die absolute Mehrheit.
Linksnationalist Humala verfehlt die absolute Mehrheit.(Foto: REUTERS)

Der Linksnationalist Ollanta Humala hat bei der ersten Runde der Präsidentenwahl in Peru am Sonntag die meisten Stimmen erzielt. Da er mit 31,1 Prozent aber die für einen Sieg in der ersten Runde notwendige absolute Mehrheit verpasste, muss er sich in der Stichwahl im Juni der rechtskonservativen Keiko Fujimori stellen.

Die Tochter des wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption zu 25 Jahren Haft verurteilten Fujimori muss hinter Gitter kam nach diesen inoffiziellen Hochrechnungen auf 23,2 Prozent. Beide warben um die Stimmen der Armen und werden von der Ober- und Mittelschicht abgelehnt.

Fujimori mit ihrer Familie.
Fujimori mit ihrer Familie.(Foto: REUTERS)

Diese Angaben der Nichtregierungsorganisation Transparencia beruhten auf der Auswertung bereits offiziell ausgezählter und als repräsentativ ausgewählter Wahlurnen. In der Vergangenheit hatten sich die Berechnungen von Transparencia als sehr zuverlässig erwiesen. Aussagekräftige offizielle Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Drei Kandidaten aus einem Lager

Sollten sich diese inoffiziellen Ergebnisse bestätigen, hätte sich das gemäßigte bürgerliche Lager selbst ein Bein gestellt, indem es gleich drei starke Kandidaten ins Rennen schickte. Auf Platz drei kam demnach der liberale frühere Ministerpräsident Pablo Kuczynski mit 18,7 Prozent. Der frühere Präsident Alejandro Toledo landete bei gut 15 Prozent und der Ex-Bürgermeister von Lima, Luis Castañeda, bei knapp zehn Prozent.

Hätten sie sich, wie von Toledo noch im letzten Augenblick vorgeschlagen, auf einen einzigen Kandidaten geeinigt, wäre einer von ihnen wohl in die Stichwahl eingezogen. Die Aussicht auf eine Stichwahl zwischen den zwei Extremen Humala und Fujimori hatte der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa schon zuvor als Wahl "zwischen Aids und Krebs im Endstadium" bezeichnet.

Humala und Fujimori feiern

Die Anhänger von Humala und Fujimori veranstalteten landesweit Siegesfeiern.  "Wir müssen eine soziale Mehrheit schaffen, damit Peru am 28. Juli (Tag der Amtseinführung des neuen Präsidenten) den Weg des Wandels einschlagen kann", sagte der 48-jährige Ex-Militär Humala. Er werde im Falle seiner Wahl zum Präsidenten eine Regierung des Volkes bilden, sei aber auch bereit, "viele Konzessionen zu machen". Humala hatte im Wahlkampf eine aktivere Rolle des Staates in der Wirtschaft und die Umverteilung von Wohlstand zu Gunsten der 34 Prozent der Peruaner, die in Armut leben, versprochen.

Die erst 35-jährige Fujimori zeigte sich trotz noch ausstehender offizieller Ergebnisse überzeugt, dass auch sie den Einzug in die Stichwahl geschafft habe. "Die Ergebnisse sind überzeugend. Ganz ruhig und ernst, aber auch mit großer Freude kann ich sagen, dass wir die zweite Wahlrunde erreicht haben", betonte sie vor Anhängern. Fujimori kündigte die Fortsetzung der Politik der harten Hand ihres Vaters und dessen sozialen Programmen an. Beiden Kandidaten werfen ihre Kritiker mangelnde demokratische Überzeugungen und Demagogie vor.

Auch bei der parallel abgehaltenen Parlamentswahl lagen die politischen Vereinigungen Humalas und Fujimoris vorn: "Gana Peru" von Humala kam auf voraussichtlich 41 der 130 Sitze in dem Einkammerparlament. Auf Platz zwei landete die Vereinigung von Fujimori, "Fuerza 2011" mit 35 Sitzen. Drittstärkste Kraft wurde Toledos "Peru Posible" mit 22 Mandaten, gefolgt von Kuczynskis "Alianza para el gran cambio", die auf 11 Sitze kam.

Die große Traditionspartei von Amtsinhaber García schmolz auf nur vier Sitze zusammen. Sie hatte mangels Chancen auch keinen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt, sondern zur Wahl Kuczynskis aufgerufen.

Quelle: n-tv.de