Politik

"Sonderbeziehung" Londons zu USA Pudel will nicht mehr Pudel sein

Winston Churchill prägte den Begriff, Margaret Thatcher und Tony Blair beschworen die Formel: Die "special relationship", also die "besondere Beziehung" zwischen Großbritannien und den USA, gehört seit mehr als 60 Jahren zum festen Vokabular britischer Regierungschefs. Doch nun soll Schluss damit sein.

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Blair und Bush beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein britischer Parlamentsausschuss hat sich dafür ausgesprochen, den Begriff "Sonderbeziehung" als Beschreibung besonders enger Verbindungen zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA fallenzulassen. Der auswärtige Ausschuss des Unterhauses befand in einem Bericht, Großbritannien solle, was den Umgang mit Washington betreffe, "weniger ehrerbietig und mehr willens sein, Nein zu sagen, wenn unsere Interessen auseinanderklaffen". Das Vereinigte Königreich müsse sich weiterhin eng angelehnt an die USA positionieren, sich aber der eigenen Grenzen und der nationalen Interessen bewusst sein. Zugleich dürfe der Einfluss Londons auf die USA nicht überschätzt werden.

Im Zuge des Irak-Kriegs 2003 habe sich in Großbritannien und im Ausland die Wahrnehmung herausgebildet, dass London ein "unterwürfiger Pudel" der USA sei, heißt es in dem Bericht. Diese Auffassung sei, egal welchen Bezug sie zur Wirklichkeit habe, "äußerst schädlich für das Ansehen und die Interessen des Vereinten Königreichs". Der damalige britische Labour-Premier Tony Blair vollzog vor und während der US-geführten Irak-Invasion einen engen Schulterschluss mit der seinerzeitigen US-Regierung von Präsident George W. Bush.

Den Ausdruck von der Sonderbeziehung zwischen den beiden Staaten geht auf Winston Churchill zurück, der damit nach dem Zweiten Weltkrieg auf den gemeinsamen Kampf gegen den Hitler-Faschismus und anschließend im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion anspielte.

Quelle: ntv.de, dpa